Ich bin fast so reich wie ich schön bin…

•13 März, 2008 • 1 Kommentar

In Uganda wird man unheimlich schnell Millionär.  Letzte Woche habe ich meine Studiengebühren bezahlt und zu diesem Zweck 1.000.000 Shilling abgehoben. Und das sieht dann so aus:

REICH!

Ach…das mal mit Euronoten machen können…ein Traum. ;)

Machs gut meine treuen Leser! ;)

Eure  Sine

Religiöse Bauten in Kampala…(3)

•13 März, 2008 • Kommentar schreiben

Hier ist noch ein Schnappschuss von unserer Moschee hier um die Ecke, die ich persönlich recht schön finde…

Moschee

Einmal Südhalbkugel bitte! (Teil 2)

•13 März, 2008 • 1 Kommentar

Auf der restlichen Fahrt nach Mbarara am letzten Wochenende habe ich, dank der durch den vorherigen Schreck gefundenen Ruhe sogar ein bisschen im Auto schlafen können (das heißt immer von Verkehrsberuhigungshügel zu Verkehrsberuhigungshügel). Die meiste Zeit über bewunderten wir die tolle Landschaft, deren Wirkung, wie ich fürchte auf den Folgenden Fotos aber leider verloren gegangen ist…

Landschaft1

Landschaft2

Landschaft3

Landschaft4

Landschaft5

Landschaft5

Da die Gegend um Masaka der Herkunftsort der Matooke, also der Kochbanane ist, die von dort aus täglich auf Lastwagen nach Kampala transportiert wird, trifft man sehr häufig auf dieses Bild:

Matooke-LKW

Meiner Meinung nach wirkt die Befestigung der Ladung ja nicht wirklich so, als wenn sie eine deutsche Verkehrskontrolle überstehen würde, oder? Die vielen liegen gebliebenen LKW, die ihre Ladung über die ganze Straße verteilt hatten, sodass diese nun von allen anderen Autofahrern unter deren „Sorry, sorry“-Rufen zu Matookebrei verarbeitet wurden, gaben mir diesbezüglich jedenfalls immer wieder recht. Allerdings kommen diese LKW größtenteils unbeschadet an ihrem Ziel an, denke ich, denn so eine Staude Kochbananen ist so schwer, dass ich sie nicht alleine Anheben kann, wodurch die Ladung schon von allein auf der Ladefläche fest gedrückt werden dürfte.

Kurz bevor wir in Mbarara- dem Ort unserer Bestimmung- einfuhren, fing ich diese Bilder ein:

Soldiers1

Soldiers2

Als ich die Bilder aufnahm fand ich einfach diese Ansammlung von Leuten interessant. Ich dachte, dass dort vielleicht irgendein Turnier stattfände. Auf dem Rückweg erzählte uns Gerald aber, dass das Baracken wären und die Leute (die alle ziemlich jung wirkten) Soldaten. Ich kann mir jetzt im nachhinein zwar keinen Reim auf die Frauen dort machen, denn ich denke nicht, dass die ugandische Armee Frauen anstellt. Ich glaube in Uganda gibt es keine Wehrpflicht. Aber die Armee kann immerhin mit geregelten Mahlzeiten und etwas Prestige aufwarten, weswegen dort genug Leute freiwillig hingehen.

Gegenüber der Baracken liegt übrigens eine Coca-Cola Fabrik.

Coca Cola Uganda

Die macht hier wahrscheinlich sehr guten Umsatz, denn Limonaden kriegt man hier wirklich überall, auch noch in den kleinsten Dörfern. Es gibt sie hier in 300ml Glasflaschen mit Kronkorken, die von den Kellnern immer bedächtig selbst geöffnet werden. Jeder Kellner hat hier seinen ganz persönlichen Flaschenöffner. Die Limonaden sind auch nicht teuer, an der Uni kostet eine 600shs, also 24cent. Eine 300ml Cola Light kostet allerdings 2000shs, wenn man sie überhaupt bekommt. Eigentlich ist hier so ziemlich alles, was ganz fix dick macht ziemlich billig. Keine guten Voraussetzungen für meine immer währenden Abnehmpläne also.

Von Mbarara selbst habe ich nur sehr wenige Bilder:

Mbarara1 …Einfahrt in Mbarara

Mbarara2

Mbarara ist das Zentrum der sogenannten Ankole-Rinder. Deswegen ist eine Skulptur eines solchen auch gleich bei der Einfahrt in die Stadt zu sehen. Die echten sind allerdings viel beeindruckender, wie ihr später noch sehen werdet.

In Mbarara haben wir uns erstmal ein Hostel gesucht. Und gleich etwas neues gelernt. Wenn man ein paar schwarze Freunde hat, sollte man als weißer vor dem Hostel warten, bis der Preis für das Zimmer feststeht. Im ersten Hostel wurde uns, nachdem die Besitzer einen Blick auf uns erhascht hatten Zimmer für 50000 oder 70000Shilling pro Nacht und Person angeboten.

Nachdem Gerald und Williams uns angewiesen hatten, im Auto zu warten bekamen wir im zweiten Hostel das Zimmer für 10000 Shilling pro Nacht und Person. Dafür hatten die da in der Rezeption dann auch noch eine ganz tolle Wanddekoration „Aufstieg und Fall Präsident Husseins“ :) .

Hussein

Nachdem wir unsere Lasten abgeladen hatten fuhren wir einen Freund von Gerald besuchen. Der wohnte, wie viele Afrikaner die „pretty well off“ (Zitat Gerald) oder „ziemlich wohlhabend“ sind in einem einstöckigen, von einer hohen Mauer umgebenen Haus. Wie Daniel treffend feststellte muss man in Afrika aber wohl ziemlich trinkfest sein, um sein Haus effektiv gegen Eindringlinge sicher zu können:

Einbruchsicher

Falls ihr es nicht erkennen könnt: das sind alles Schwerben von Bierflaschen, die die Mauer sichern.

Nachdem wir dort also ein bisschen fern gesehen, mit der kleinen 9monate alten Tochter gespielt und getrunken hatten fuhren wir noch zünftig essen (es hab drei große Teller Ziegenfleisch für die Runde, dazu (und für mich ausschließlich) Kochbanane) fühlten wir uns nach unserer 5stündigen fahrt alle müde genug, um den Tag in den weichen Betten des billigen Rutinda Hostels abzuschließen.

Der folgende Tag war ein wahres Ereignis. Oder eher das genaue Gegenteil. Denn die Devise hieß: Wie bringen wir die Zeit bis 6Uhr abends am besten rum? 6Uhr fand nämlich die für die fußballbegeisterten Afrikaner lebenswichtigen Spiele der Englischen Liga statt und bis dahin gab es nicht zu tun außer Bier trinken (die Männer begannen 9Uhr morgens!!!) Billiard spielen und essen.

Nachdem ich diesen Tag hinter mich gebracht hatte ohne vor Langweile zu sterben wurde ich mit einem ausflug in die örtliche Disko belohnt. Daniel war zu diesem Zeitpunkt schon weg vom Fenster und erliedigt (betrunken?) in die Kissen gesunken. Also zog ich alleine Mit Gerald und Williams los. Und es machte wirklich Spaß, obwohl es mit der Zeit schon sehr anstrengend wird zu dem immer gleichen Rhythmus afrikanischer Musik zu tanzen. Bevor sie mich nach unserem glorreichen Tanzabend ins Bett entließen erzählten mir Gerald und Williams dann noch, dass sie prophylaktisch allen erzählt hatten, ich sei Geralds Frau- und ich hatte mich schon gewundert, dass ich nicht von allen Seiten angemacht wurde…

Da wir ja auf der Südhalbkugel waren und dazu noch in einer relativ ländlichen Gegend konnte ich das erste Mal auch einen anderen Sternenhimmel genießen. Der sieht schon etwas anders aus als unserer, aber die bekanntesten Sternbilder, wie etwa der große Wagen, Orion oder Cassiopeia sind trotzdem zu erkennen- sie stehen nur alle ein bisschen Kopf.

Unsere Rückfahrt traten wir am nächsten Morgen ausgeruht in der frühe an, mit dem Triumph, dass ich ENDLICH das Foto machen konnte, das ich schon seid mindestens einem Monat versuche einzufangen: Das Afrikanische Ananasfahrrad.

Tadaaaaa!!!

Ananasfahrrad1

Ananasfahrrad2

Dieses Exemplar ist zwar leider etwas moderat beladen, aber es vermittelt einen Eindruck von meinem Traumfahrrad. Ananas, wo man nur hinschaut. Und wenn ihr wüsstet wie prima Ananas hier schmecken. Na gut- im Prinzip auch nicht anders als zu Hause, aber sie tendieren eben doch dazu, etwas reifer zu sein und einen niedrigeren Säuregehalt zu haben. Ich kann hier mühelos eine ganze Ananas auf einmal und alleine essen, ohne dass sich das irgendwie negativ bemerkbar macht. (Deswegen mache ich das auch jeden Tag :) ) Ananas sind ja auch so herrlich billig- nur 40cent für eine Ganze! Außerdem habe ich hier gelernt, wie man sie richtig schält, sodass ich euch, wenn ich wieder zu Hause bin immer den Ananasschäler machen kann.

Auf unserer Rückfahrt machten wir noch einen sehr abenteuerlichen Abstecher in die Pampa, der uns auf dieser Straße 40km ins Landesinnere führte.

Straße

Gerald wollte seinen Schwiegereltern die schon erwähnte Solarlampe bringen, denn auf dem Land gibt es kein fließend Wasser und kein Strom, was ich mir beileibe nicht vorstellen möchte. Da ist so eine Solarlampe also sehr nützlich. Die Landschaft um Mbarara war wirklich wahnsinnig interessant für mich, denn ich habe dort das erste mal die Savanne gesehen.

Landschaft7

Landschaft8

Landschaft9

Kurz vor Mbarara liegt außerdem die Gegend des Lake Mburo Nationalparks. Dort gibt es Zebras. Es liefen wohl auch welche durch die Gegend, als wir dort hindurchfuhren, aber wir waren zu schnell, als dass Daniel und ich sie entdecken konnten. Dafür sahen wir entlang der Straßen jede Menge Matookebäume, an denen wir jedoch nie die Stauden hingen sahen. Meiner Meinung nach sahen die Bäume eigentlich nicht so aus, als könnten sie diese schwere Stauden überhaupt tragen. Daniel und ich hatten daher mittlerweile als Arbeitshypothese angenommen, dass Kochbananen auf Fahrrädern und Lastwagen wachsen, aber Gerald hatte versprochen uns auf der Plantage seiner Schwiegereltern das Gegenteil zu beweisen.

Vorerst begaben wir uns aber erst einmal tief in das Gebiet der Ankole-Rinder. Also so richtig richtig tief. Als ich die folgenden Bilder schoss dachte ich einfach nur: „Mama…müssen wir jetzt durch die Kühe?!?“

Ankole-Rinder1

Ankole-Rinder2

Ankole-Rinder3

Ankole-Rinder4

Beim Haus der Familie angelangt wurden uns Milchtee (die Leute verfügen nicht über große Mengen sauberen Trinkwassers, deswegen benutzen sie Milch, um den Tee zu kochen), Joghurt (den ich nicht probierte, weil ich kein Durchfall haben wollte, aber ich bin ziemlich sicher, dass er auch diesen warmen Kuhgeschmack an sich hat, wie viele Milchprodukte hier), Toast, Margarine und Bananen serviert, die ständig von einem dichten Fliegenschwarm umgeben waren.

Nach unserem Mahl, bei welchen uns Gerald übersetzte, dass seine Schwiegermutter der Meinung sei, dass Deutsche sehr gute Menschen wären (mir fällt die Begründung leider nicht mehr ein), gingen wir den afrikanischen Hof erkunden, was sehr interessant war.

Wohnhaus

Das Wohnhaus (mit Daniel und Williams).

Matooke

Die Matookestaude, die ich nicht anheben konnte, mit ein paar Süßkartoffeln.

Bienenstock

In diesem Korb wohnen Bienen, die Honig für die Familie produzieren.

Matookebaum

Wahrhaftig! Matooke wächst an Bäumen. Pro Baum gibt es allerdings nur eine Staude. Was aber nicht schlimm ist, denn ein Baum braucht zum wachsen inklusive dem Heranreifen einer Staude nur 6 Monate. Auf einer „Plantage“ stehen also immer junge neben „alten“ Bäumen. Ist eine Staude reif wird sie vom Baum geschnitten, wonach dieser dann gefällt und als Dünger über den Boden verteilt wird, während aus seinen Wurzeln schon die neuen Ableger gen Himmel sprießen. Die „Rinde“ von Matooke-Bäumen ist sehr weich, da es eher viele Dünne Lagen von Fasern übereinander sind- man kann einfach ein Loch mit dem Finger hineindrücken, wodurch sofort das Wasser aus dem Baum hinabrinnt.

Bananenbaum

Das sind „richtige“ Bananen an ihrem Baum. Afrikaner können den unterschied zu Kochbananen erkennen, ich nicht. Jedenfalls nicht, solange sie noch grün sind. Kochbananen sind auch im reifen zustand noch grün.

Schuppen

Der zur Plantage gehörige Werkzeugschuppen. Interessant für alle, die gerne mit natürlichen Materialien bauen und sich was abschauen wollen.

Passionsfrüchte

Auf dem Feld wuchsen außerdem noch Passionsfrüchte, oder Marakujas, die ich allerdings nicht so gerne mag- diese hier sind noch nicht reif. Wenn sie reif sind werden sie silbrig-violett und verschrumpeln- wer mag das schon essen?! (Man isst natürlich nur die inneren Kerne und das Fruchtfleisch, nicht die Schrumpelhülle, aber trotzdem…)

Hütte

Hütten dieser Art können als Küche oder einfach als Lagerraum dienen. Im Hintergrund seht ihr traditionell aufgehängte Wäsche. Wenn man die Wäsche so „aufhängt“ ist die Wahrscheinlichkeit, dass die bösen Fliegen kommen und ihre ekligen Eier da hineinsetzen, die sich dann in die Haut fressen und als fette Larven wieder rauskommen ziemlich hoch- buäh.

Dingsbums

In Afrika sind alle Insekten laut, groß und harmlos oder leise, klein und gemeingefährlich. (Ich kämpfe übrigens gerade mit Bettwanzen. Bilanz: 13 Bisse auf dem Bauch, 6 zischen den Fingern der rechten Hand, 10 am rechten Ellbogen, 1 unter dem Nagel des linken großen Zehs. Scheißviecher.)

Zum Abschluss gingen wir im Haus für eine gute Heimreise beten. Was für mich toll war, weil ich das Haus von innen sehen konnte. Der Boden war betoniert und größenteils mit Linoleum ausgelegt. An den kahlen Wänden hingen Fotos von verwandten und vom Präsidenten. In dem Raum in dem wir waren standen 3 Sessel, 1 Tisch und ein Stuhl. Die Wände zwischen Dach und Räumen war keine Decke eingezogen, sodass man direkt auf das Wellblech sah und auch die Balken-Grundkonstruktion des Hauses noch gut ausmachen konnte.

Ich für meinen Teil möchte meine Gebete für eine gute Reise lieber jenen Leuten widmen die täglich so oder ähnlich auf ugandischen Straßen reisen:

LKW1

Schaut genau hin! Unter der Matooke stehen noch einige Ankole-Rinder!

LKW2

Diese Leute werden wahrscheinlich in der nächsten Stadt als Straßenhändler arbeiten und werden mit ihrer Wahre (Schuhe, Altkleider etc.) dort hingebracht.

LKW3

Im laufe der Evolution haben Ankole-Rinder große Hörner entwickelt, damit sie beim Transport einfacher mit Seilen am Aufbau der LKW befestigt werden können- ein Hoch auf Mutter Natur!

Zum Schluss noch ein paar kreuz-und-quer Eindrücke von unserer Fahrt:

Markt1

Markt2

Einer der Märkte am Straßenrand, auf denen sich Reisende mit allen erdenklichen Früchten und Schaschlikspießen eindecken können. Die Farbenpracht überwältigt mich jedes Mal wieder- ich kriege gute Laune davon, soviel Obst zu sehen.

Termitenhügel

Einer von unendlichen vielen Termitenhügeln am Straßenrand.

Uganda Telekom

Werbung ist ein internationales Kulturgut.

Kindergarten

Eingang zu einem Kindergarten.

Sessel

Wie hier stehen in Afrika viele Waren oft „einfach so“ an der Straße herum. Das beeindruckende ist, dass die meiner Meinung nach auch im Dunkeln ungesichert dort stehen bleiben (vielleicht nicht unbedingt die Sessel, aber (Doppelstock)bettgestelle und besonders Baustoffe (Brunnenteile, Ziegel, Fliesen etc.). Ich weiß nicht, ob dort nachts vielleicht doch ein Wächter steht (den man sicher bestechen kann) oder ob Ugander einfach zu bequem sind um komplette Bettgestelle und Baustoffe zu klauen. :) (Natürlich steht zur Option, dass Ugander nette Menschen sind, die nicht klauen. Aber Ugander sind auch nur Menschen, also lasse ich diese Option mal eben außen vor.)

Tschüss

Das war also unsere Große Tour in den Westen. Ich denke ich werde es diese Woche noch von unserem Abenteuer auf den Ssese-Inseln zu berichten, das mich gelehrt hat, mein Leben zu mögen. Nächtliche Dschungelgeräusche sind aber sowas von gruselig sage ich euch!

Ich drücke euch alle ganz fest und hoffe ihr habt noch Spaß an meinem Blog.

P.s.: Ich habe im letzten Blog spekuliert, dass der Tilapia-Fisch der gleiche ist wie der Viktoriabarsch. Das stimmt nicht! Der Viktoriabarsch kann bis zu 200kg auf die Waage bringen und ist hier nur sehr selten zu kriegen, weil die Preise die im Export zu erzielen sind viel höher liegen als die auf dem lokalen Markt.

Nebenbei

•6 März, 2008 • Kommentar schreiben

Heute früh ist hier übrigens das erste richtige Gewitter runtergekommen. Ich glaube ich habe noch nie solche Wassermassen vom Himmel stürzen hören. Der Regen fiel so dicht, dass ich ihn nicht sehen konnte, als ich aus dem Fenster sah. Donnern tut es trotzdem nicht richtig. Es blitzt kräftig, aber es folgt stets nur ein tiefes grummeln…

Neues aus der Uni: Ich habe jetzt noch eine Geschichtsveranstaltung zu meinem Stundenplan hinzugefügt:

Das Phänomen der Menschenrechte in Afrika südlich der Sahara ab 1960.

Endlich mal etwas, das ich auch wirklich für später noch gebrauchen kann.

Und: Hier ein eher schlechtes, aber hoffentlich trotzdem beeindruckendes Foto von der Art Spinne, die in der Uni in allen Ecken rumhängt.

Pfui Spinne

Ab und an kräht hier mittags mal von irgendwo ein Hahn, aber wecken tut mich meistens der hier:

Krah!

Und ich noch ein schönes Bild, das ich irgendwo zwischendurch gemacht habe:

Trycycle

Machts gut alle, ich denke an euch!

Einmal Südhalbkugel bitte! (Teil 1)

•6 März, 2008 • Kommentar schreiben

Kurzes vorneweg

  • Zunächst einmal muss ich mich für die Verspätung entschuldigen. Ich habe nicht einmal eine gute Entschuldigung- manchmal ist es einfach ein bisschen anstrengend, die Erlebnisse noch einmal von vorne bis hinten aufzuarbeiten- und diese Woche war ich diesbezüglich etwas faul (aber dafür umso fleißiger in Sachen Universität…).
  • Noch ein technischer Einschub. Für mich wird es immer schwerer, einzuschätzen, welche Foto euch als zu Haus-Gebliebene interessieren. Deswegen kann ich nicht garantieren, dass ich immer die für euch besten Fotos in den Blog stelle. Es kann ja gut sein, dass euch das Motiv gar nicht viel sagt, weil in dem Moment, als ich das Bild machte, die Stimmung eine sehr wichtige Rolle spielte- die euch natürlich fehlt. Vielleicht wird es ja lustig, wenn ihr euch eine eurer Meinung nach Afrikanische Stimmung dazu vorstellt (das Beinhaltet meistens viele Geräusche (besonders Kinderrufe), einen erfrischenden Luftzug, ordentlich Staub und Abgasgerüche, ein wenig blendende Sonne und auf dem Land eine gute Portion summende Insekten und tschilpende, ins Bunte tendierende kleine Vögel etc.) Ein zweites Problem ist, dass ich mich gegenüber euch zu sehr an alles gewöhne. Das heißt es gibt viele schöne Motive, die ich jetzt nicht mehr fotografiere, weil ich mich so an sie gewöhnt habe. Beeindruckend ist es schon, wie schnell der Mensch sich verschiedenen Umgebungen anpasst…
  • Die Fotos sind diesmal nicht von der besten Qualität, was aber im Prinzip nicht meine Schuld ist- es sei denn ihr zeigt mir jemanden, der bei 160km/h mit meiner Kamera peperonischarfe Bilder schießt.

    Wie in einigen Telefonaten schon angekündigt, machten wir uns am Freitag auf, den Südwesten Ugandas und somit erstmals das Leben südlich des Äquators zu erkunden. Gerald und Williams- beide Ende zwanzig- die wir hier in der Bar kennen gelernt haben, in der wir auch das MANU-Arsenal-Spiel gesehen haben, hatten uns letzten Mittwoch eingeladen, sie auf einer Tour nach Mbarara zu begleiten. Gerald wollte dort Freunde besuchen und auf dem Weg dorthin bei seinen Schwiegereltern auf dem Land eine Lampe abliefern, die sich mittels einer Solarzelle selbst wieder auflädt. Wir nahmen das Angebot natürlich gerne an, da unsere Pläne auf die Ssese-Inseln im Viktoriasee zu fahren ausfielen, weil Kiet und Lisa schon zum Murchison-Falls Nationalpark aufgebrochen waren. (Den Ausflug nach Entebbe und auf die Inseln holen wir übrigens nächstes Wochenende nach.)

    Wir brachen also am Freitag um 12 Uhr auf, nachdem wir eine Stunde in der Bar gewartet hatten, weil wir doch tatsächlich immer noch davon ausgehen, dass es 11Uhr losgeht, wenn 11 Uhr ausgemacht war…die Unverbesserlichen :) .

    Cassablanca…AND LUNCH!…warten auf Williams und Gerald.

    Bei unserer Abfahrt konnte ich noch schnell einen Schnappschuss von dem Ort machen, an dem ich mich durchschnittlich 2Stunden am Tag (und gerade jetzt) aufhalte:

    Internetcafé
    In diesem Gebäude, das an der Bombo Road liegt (also sehr nah an unserem Hostel) und natürlich nur halbfertig ist, befindet sich nämlich unser Internetcafé. Außerdem finden sich dort überall gute billige Bars in denen man zu jeder Tageszeit prima essen und am Abend ganz gut trinken kann.

    Nachdem wir uns an der Tankstelle noch mit ein wenig Wegzehrung eingedeckt hatten, ging unsere Reise los.

    Karte

    Von Kampala nach Mbarara sind es gute 300km auf Straßen, die qualitativ zwischen Mecklenburg-Vorpommerschen Kreis- und Landstraßen liegen. Und meistens durften wir Musik lauschen, die ähnlich der in dem nächsten Video ist. Es ist zwar wieder nur ein Video vom Straßenrand und ich weiß nicht, wie gut es die Stimmung einfängt.

    [hier entsteht sobald mir das Internet gnädig ist ein VIDEO von KAMPALA]

    Ihr müsst euch einfach mal Vorstellen ihr stündet dort am Straßenrand…das ist ja nicht etwa irgendein Dorf, sondern die Hauptstadt von Uganda. Sicher- das Stadtzentrum macht schon noch einen anderen Eindruck, aber meinem Empfinden nach ist dieses nur ein sehr kleiner Teil der Stadt insgesamt. Was mir auf der Fahrt (und auch schon früher) besonders aufgefallen ist, dass Kleinstädte und größere Dörfer im Prinzip genauso aussehen wie Kampala. Im Prinzip sind Städte hier einfach nur verdichtete, vergrößerte Dörfer. Auch wenn es bei uns 3000Einwohner-Dörfer gibt und vielleicht 2500Einwohner Städte (die einfach nur Dörfer mit Stadtrecht sind :) ) kann man den unterschied zwischen Dorf und Stadt bei uns doch noch relativ klar erkennen. Irgendwie haben diese eine Unterschiedliche Struktur…

    Hier macht es aber den Eindruck auf mich, dass ein Dorf im Prinzip genauso aussieht oder aufgebaut ist wie ein Straßenabschnitt (z.B. wie man ihn im Video sieht) in Kampala. Wenn wir in Buschmühl noch den kleinen Konsum hätten, sähe Berlin dann in etwa so aus wie viele Buschmühls auf einem Haufen- was ja definitiv nicht so ist. Wie gesagt- der Stadtkern von Kampala vermittelt einen etwas anderen Eindruck, aber er ist auch nicht sehr groß und man muss dort nicht hin, um in Kampala zu leben. Ich z.B. war schon seit gut 1 ½ Wochen nicht mehr im Zentrum.

    Nun aber wieder zurück zu unserem Wochenendausflug.

    Bald nach beginn unserer Fahrt bereiteten sich der Himmel und die Menschen binnen weniger Minuten auf einen kühlenden Regenguss vor…

    Matooke in Sicherheit

    Wolken

    Nasses Bodaboda

    Da ich den Regen ja nun schon gewöhnt bin war ich jedoch hauptsächlich immer noch damit beschäftigt, mich an die afrikanische Fahrweise zu gewöhnen. Überholen am Berg und in der Kurve (und im günstigsten Falle bei einer Kombination aus beiden) gehört hier offenbar zu den guten Manieren. Da es hier keine Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt und selten Ortsschilder wurden (neben den überall obligatorischen teilweise wäschwannegroßen Schlaglöchern) vor den Orten Verkehrberuhigungshügel auf die Straße gekippt. Ich glaube dazu werden einige Eisenstangen (meist 4 dicht hintereinander) auf die Straße gelegt, die nachfolgend mit Asphalt übergossen werden. Das Resultat ist, dass es die Fahrzeuginsassen einfach mal richtig anständig durchschüttelt und zwar egal mit welcher Geschwindigkeit das Hindernis überfahren wird (ich spreche aus Erfahrung- wir haben alle ausprobiert). Pro Dorf-/Stadteingang und -ausgang gibt es mindestens 4 dieser Hügel. Und es gibt ausreichend Dörfer und Städte an der Strecke um einen CD-Player im Autoradio nachhaltig vom sauberen Abspielen der CD oder müde Studenten vom Schlafen abzuhalten. Am ersten Abend in Mbarara gehörte die Geschichte, wie ich im Auto geschrien hatte mit zu den unterhaltsamsten unseres illustren Kreises. Und die ging so:

    Es ist mit Ugandas Straßen nicht so bestellt, dass sie einen festen Seitenstreifen haben. Ein Zeitungsartikel schrieb neulich gerade darüber, dass die Straßen im Stadtzentrum Kampalas, die für das „Commonwealth Head of Government Meeting 2007“ (kurz CHOGM) vor etwa 3 Monaten ausgebessert wurden schon wieder genauso kaputt sind wie vorher…beeindruckend. Zu dem Artikel war ein Foto von einem besonders großen Schlagloch abgedruckt, das charmanter Weise die Form des afrikanischen Kontinents angenommen hatte. Wie Prosaisch.

    Wir fuhren also auf unserer Straße deren Fahrbahnbegrenzungen von etwa 20cm tiefen Schluchten gebildet wurden, an denen der Asphalt einfach weggebrochen war. Da wir gerade einen kurvigen Berg hinauffuhren und dies auch noch hinter einem Fahrzeug, das keine 140km/h schaffte, war es absolut angemessen ein spontanes Überholmanöver einzuleiten. Den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit entsprechend kam uns natürlich ein Reisebus entgegen. Einen Überholvorgang abzubrechen ist hier wahrscheinlich nur im absoluten Notfall geboten- und ein entgegenkommender Reisebus ist nun wirklich kein Notfall nicht wahr? Dazu solltet ihr vielleicht noch wissen, dass das am chaotischsten und schnellsten fahrende Gefährt, das man auf ugandischen Straßen finden kann natürlich was ist- ja, genau: ein Reisebus. So ein Riesenvieh von Bus, das weiß, dass es jeden Unfall und jedes Schlagloch als Sieger übersteht und voll ist mit ungeduldigen Fahrgästen, die schnell ans Ziel kommen wollen. Unter anderem ist es für ugandische Reisebusse reine Routine, andere Reisebusse am Berg mit gut 120 Sachen zu überholen… In unserem Reiseführer ist eine Busfahrt beschrieben, bei dem der Bus ein Perlhuhn erfasst, das durch die Windschutzscheibe in den Bus prescht. Während der Fahrer diszipliniert weiterfährt, begutachtet der Schaffner abwechselnd die Schrammen am Kopf des Fahrers und das Perlhuhn, von dem er erst nach Diskussionen mit verschiedenen Fahrgästen beschließt, dass es aufgrund der in ihm steckenden Scherben nicht mehr essbar sei und es wieder zur Windschutzscheibe hinaus befördert. Der Bus stellt seine Fahrt dann erst irgendwann später ein, als der kräftige Regen, der durch die Windschutzscheibe ungehindert Einlass findet alle vorderen Fahrgäste durchnässt hat.

    Prinzipiell vermittelt jeder Bus, der auf der Straße schwankend vor dem eigenen Auto fährt den Eindruck, als wäre so eine zerbrochene Windschutzscheibe für ihn sowieso das letzte Problem…unglaublich…

    Bus

    So ein Wahnsinnskoloss raste also geradewegs auf uns zu, während neben uns wahrscheinlich irgendein überladener LKW den Berg hinaufächzte. Und als Gerald als einzige Idee einfiel auf den abgrundartigen, dünnen Seitenstreifen RECHTS!!! neben dem Bus auszuweichen (auf dem höchstwahrscheinlich noch ein Bodaboda in die falsche Richtung fuhr) blieb meinem überforderten Gehirn leider nichts anderes mehr übrig als meinen Lungen den Befehlt zu geben ordentlich Luft für den letzten Schrei in meinem Leben locker zu machen. Während Williams mich grinsend musterte hatte Gerald letztendlich doch beschlossen sich noch durch die Lücke zwischen LKW und Bus zu drängeln und schlagartig das Lenkrad nach links gerissen, um elegant durch diese hindurch zu gleiten.

    Nach diesem Vorfall war mir verkehrstechnisch so ziemlich alles egal, sodass ich die restliche Fahrt, wie auch die Rückfahrt und alle Fahrten zwischendurch, die Gerald mit teilweise 5Litern Bier intus absolvierte als hinreichend ereignislos empfand. In dieser Hinsicht gilt es nur noch festzustellen, dass Afrikaner wahrscheinlich die besseren Autofahrer sind, da sie ihr Fahrzeug noch in den brenzlichsten Situationen absolut unter Kontrolle haben und überhaupt am elegantesten Schlaglöcher jeder Art umschlängeln können.

    Und die Motorradfahren schlagen sowieso alles und jeden, wie man wieder einmal schön auf diesem Bild sehen kann. Mobilität im Geschäft wird hier ganz groß geschrieben…

    Mobile Boutique

    Weil so eine Autofahrt an sich ja nun wirklich nicht so spannend ist, haben wir noch einen Zwischenstopp bei „Camp Crocks“ gemacht, das mit seinem Warnschild „Do NOT enter- Trespassers will be eaten“ doch mal so richtig einladend auf die mutige Sine wirkte. Letzendlich war das aber alles nicht so spektakulär. Nach dem Schild „Do not feed the crocodiles- you will be eaten“ konnte ich das ganze nicht mehr so ernst nehmen und stürzte mich mit meiner Kamera auf die lieblosen, ja abstoßenden Betonbecken mit ihren armen Insassen.

    Croc1

    Croc2

    Croc3

    Croc4

    Und um nun die Fragezeichen aus euren Gesichtern zu wischen:

    „Camp Crocks“ ist im weitesten Sinne die Entsprechung einer deutschen Schweinemastanlage. Die lieben Tierchen auf den Fotos oben werden nur geboren um im Alter von ca. 4-6 Jahren geschlachtet zu werden. Sodann werden die jüngeren als Fleisch an regionale Edelrestaurants verkauft und die älteren als Haut nach Italien transportiert, wo man richtig schicke Taschen und Schuhe aus ihnen macht. Schöööön.

    Die einzigen Krokodile von „Camp Crocks“ die nicht getötet werden sind diese drei:

    Croc5

    Croc6

    Croc7

    Diese drei sind nämlich die Eltern von allen, die geschlachtet werden. Und wiedereinmal sieht es so aus, als müssten selbst die Tiere die wir mit am meisten fürchten uns grundsätzlich um ein Vielfaches mehr fürchten als wir sie.

    Der Erfrischenste Anblick auf „Camp Crocs“ war jedoch der in das Becken, in dem ein paar unglückliche Kreaturen nur für die vorbeikommenden Touristen gefangen waren. Und er hier

    Waran

    machte da wirklich noch den besten Eindruck. Überall im Becken verteilt und zwischen denen die noch lebten, lagen mittelgroße tote Schildkröten herum, von deren zerstörten Panzern Ameisenstraßen zum Rand des Beckens führten.

    Ein viel schönerer Anblick war dann doch dieser Baum, mit seinen unzähligen kugelrunden Vogelnestern, um den die Bewohner dieser geschäftig herum flatterten und piepsten.

    Vogelnesterbaum

    Nächster Halt war dann der lang ersehnte Äquator.

    Äquator1

    Äquator2

    Äquator3

    Auf den letzten beiden Bilder seht ihr auch unsere beiden neuen Kumpels. Gerald, der sich gerade noch einen von den Fleischspießen zu Gemüte führt, die wir zwischendurch auf einem Markt am Straßenrand erstanden hatten und Williams, der später am Abend allen darlegte, wie lustig mein Überholmanöver-Aufschrei war.

    Insgesamt waren wir wohl so 5 Minuten am Äquator, was Hinsichtlich der Spektakularität dieses Ortes durchaus angemessen ist.

    Äquator4

    Das einzig Interessante ist, dass Wasser, wenn man es auf der Nordhalbkugel in einen Trichter gießt im Uhrzeigersinn und auf der Südhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn abfließt. Ich bin mir letztendlich aber nicht sicher, wie Wasser sich genau auf dem Äquator verhält, aber auf dem Trichter der auf dem Äquator stand was eine Fließrichtung geradewegs Senkrecht zur Erde hin eingezeichnet. Man kann sich das Experiment für umgerechnet 4€ auch vorführen lassen, aber daran hatten wir nicht ausreichend Interesse, da wir zu diesem Zeitpunkt auch noch eine ordentliche Fahrtstrecke vor uns hatten (Außerdem gibt es eine Simpsons-Folge, die dieses Phänomen erklärt, wie Daniel mir berichtete). Der Äquator liegt irgendwo ein paar Kilometer vor Masaka. Durch Masaka sind wir nur schnell durchgefahren, interessant ist aber, dass Masaka (sprich: Massaka) eine der Städte ist, die am übelsten vom Krieg mitgenommen wurden. Man muss halt aufpassen, wie man seine Stadt nennt…

    DSCF2170

    Wie man auf der Karte sieht liegt die Gegend um den Äquator gleichzeitig sehr dicht am Viktoriasee, von dem ich seit unserer Landung hier in Entebbe leider nichts mehr gesehen habe. Aber da wir schon einmal so dicht am See waren war eines natürlich Pflicht: Fisch kaufen!

    Fischer

    Wie in Uganda üblich stehen die Fischhändler auch hier einfach am Straßenrand und warten auf ihre Kunden. Sie haben dort auch gute Chancen. Erstens, weil Überlandreisende wahrscheinlich auf dem Weg zu Freunden sind, denen sie gerne einen Fisch als Geschenk mitbringen. Und Zweitens, weil die ugandische Art Fisch zu transportieren wortwörtlich an Autos gebunden ist.

    Fisch1

    Der Tilapia-Fisch (ich glaube das ist der böööse Viktoriabarsch) wird, wie man sieht mithilfe eines Bananenblattes an die Motorhaubenbefestigung gebunden und so…

    Fisch2

    …sicher und frisch ans Ziel gebracht. Gerald und Williams schwören darauf, dass dies die sicherste Art ist, um den Fisch frisch an den Ort seiner Bestimmung zu bringen. Und die Mehrzahl der entgegenkommenden Fahrzeuge belegten, dass auch andere Ugander dieser Meinung sind.

    So… das war der erste Bericht zu unserer Reise. Ich hoffe ihr versteht jetzt, dass es ziemlich zeitaufwendig sein kann, sich alle Erlebnisse wieder in Erinnerung zu rufen und diese dann angemessen lustig zu „Papier“ zu bringen. Deswegen wird der zweite Teil wahrscheinlich auch wieder ein Weilchen auf sich Warten lassen müssen.

    Morgen brechen wir nämlich zu den Ssese-Inseln auf, die im Viktoriasee liegen (und auch auf der Karte zu sehen sind). Dort verbringen wir das Wochenende, sodass ich wahrscheinlich erst Montag wieder an meinen Computer zurückkehren werde. Zusätzlich schreibe ich nächste Woche einen Test in „Orale Literaturen“ und muss dafür ein wenig lernen. Bitte seid mir also nicht böse, wenn die Berichte etwas verspätet kommen. Und falls ihr euch Sorgen wegen fehlender Lebenszeichen macht- einfach mal anrufen! Das mag ich nämlich :) .

    Bis dahin! Macht es gut meine Lieben.

    Eure Sine.

    Mzunguuuu!

    •25 Februar, 2008 • 2 Kommentare

    Da die anderen nun gestern doch nicht nach Entebbe zum Volleyballspielen gefahren sind haben wir uns spontan etwas anderes für den Sonntag einfallen lassen. Uns lockte immer noch der Baha’i Tempel, von dem wir in unseren Reiseführern gelesen hatten. Er ist nicht schwer zu finden, des es geht einfach immer geradeaus stadtauswärts der Straße nach, an der wir wohnen. Also stapften wir nach dem Frühstück (das heißt es war ca. 13 Uhr) los. Der Tempel sollte 4km außerhalb des Zentrums liegen, was von uns aus nicht mehr weit sein sollte. Aber in der Mittagshitze kam uns der Marsch durch die Ausläufer von Kampala doch etwas lang vor. In diesen „Vororten“ sieht man oft die interessantesten Straßenszenen, gepaart mit den seltsamsten (und Gott sei Dank auch seltensten) Gerüchen. Im Straßengraben, der am Ende gerade noch fertig ausgehoben wurden standen in der Knöchelhohen Brühe mehrere Leute um ein Fahrrad herum, das dort zur Reparatur aufgebockt stand. Neben dem Straßengraben, im Schatten eines der wirklich überdimensionierten Werbetafeln für einen neuen dicken Toyota stand eine fette, verdreckte Kuh träge stierend herum, während das Wasser, das in einem anderem Straßengraben höher stand in ein entfernter liegendes Basin gepumpt wurde, von dem ich hoffe, dass es nicht das Trinkwasserbasin war. Immerwieder sieht man kleiner Verschläge, in denen Limonaden und Cola verkauft werden oder in denen sich auch wahlweise ein Fleischer niedergelassen hat, der nun seine Fleischbrocken, die offen hängen oder auf der Theke liegen gemeinsam mit seltsamen grünen Organen anbietet. Wobei ich noch nicht herausgefunden habe, zu welchem Tier diese Organe gehören, die ich für überdimensionierte Lungen halte. Überall sind natürlich viele Leute auf den Bürgersteigen unterwegs, einige tragen mehrere (im besten Falle tote) Hühner, an den Füßen zusammengebunden mit sich herum, um sie zum Markt zu bringen, an dem wir dann mit dem Matatu vorbeigefahren sind. Ein paar von den obligatorischen Ziegen, die übrigens auch auf dem Campus herumlaufen und einen unschönen Gestank hinterlassen können, wenn ihnen gerade danach ist, gibt es natürlich auch hier.

    Das Matatu setzte uns irgendwo ein Stück weiter an der rotgefärbten geschäftigen Straße ab, worauf sich natürlich gleich wieder die Bodafahrer mit ihren „Yes“, „Sir, Madam“ und „Mzungu“-Rufen auf uns stürzten. Nach einigen Minuten fanden wir das wohl schon ältere Schild, das uns die Richtung zum Baha’i-Tempel die kurvige Sandstraße den Berg hinauf wies, die von Grün gesäumt war, in welchem vereinzelt kleine Häuser standen.

    Von hier aus konnte man den Tempel auch schon sehen. Motiviert machten wir uns an den „aufstieg“ begleitet von „Mzungu“-Rufen aus den Mündern der vielen Kleinkinder, die aus den Schatten der Häuser gelaufen kamen, um einen kurzen Blick auf uns zu werfen.

    Baha’i1

    Wir lächelten freundlich zurück und ließen auch einige „Hallos“ hören, um die Mühen der Kinder zu würdigen. Prinzipiell finde ich es sehr schade, dass man mit den kleinen Kindern nicht reden kann, sofern man nicht Buganda kann. Vielleicht könnte man ihnen dann erklären, dass man selbst nur ein Mensch ist, genauso wie sie oder ihre Mütter und dass sie allein die Hautfarbe eines Menschen nicht zum Lächeln und Winken (und ausflippen) animieren sollte. Aber so kann man nur hoffen, dass sie das irgendwann verstehen, wenn sie groß sind und wenigstens dann damit aufhören.

    Aber weiter mit meiner Geschichte. Diesmal stand ich nämlich wirklich im Mittelpunkt des Geschehens und zwar ziemlich wehrlos. Als wir unsere nun schon hoffnungslos rot-verstaubten Schuhe in die letzte Kurve hoch zum Hügel auf dem der Tempel steht setzten, erschien vor uns eine kleine Häusergruppe, die offenbar besonders viele Kinder beherbergte. Vielleicht hatte sich hier die Nachbarskinder zum Spielen getroffen. In Grüppchen standen die Kinder an der anderen Straßenseite, die Größeren schauten nur, die kleineren winkten und riefen wie gewöhnlich. Die Erwachsenen lächelten, wahrscheinlich über uns und über die Kinder, die sich so über unsere Weißheit freuten. Obligatorisch zurück lächelnd stapften wir weiter, während sich eines der kleinsten Kinder aus einer der Gruppen löste und schnurstracks „Mzunguuu!“-jubelnd über die Straße auf uns zugelaufen kam. Dachte ich. Aber der Kleine wusste schon genau wohin er wollte, ignorierte Daniel und Johannes und klammerte sich direkt an meine rechte Hand. Die Kinder und die Erwachsenen lachten weiter, und da sich ja nun schon so einige Kinder an meine Hände gehangen haben, versuchte ich mit dem kleinen Anhängsel Kontakt aufzunehmen, während ich meinen Weg den Berg hinauf fortsetzte, aber er schien gar nichts mehr von mir wissen zu wollen. Meine Hand haltend starrte der Kleine fest geradeaus oder auf den Boden und lief neben mir her, als wenn das nun mal so sein müsste, wenn Sonntags die Weißen vorbeikommen. Als wir an der Häusergruppe vorbeigezogen waren, versuchte ich ihm zu bedeuten, dass wir so langsam sein zu Hause verließen und da doch die anderen Kinder mit ihm spielen wollten und seine Mama wartete. Nö, völlig egal…Also suchte ich zwischen den ganzen Kindern einen Erwachsenen, dem ich mittelns Schulterzucken signalisieren konnte, dass ich nicht recht wusste, was zu tun ist. Natürlich kam die passende Mama gleich auf mich zugelaufen, lachend und versuchte, den kleinen Esel, von meiner Hand zu pflücken. Aber der kleine Sturkopf hatte wohl beschlossen, dass meine Hand nicht dazu da ist, losgelassen zu werden, und während die Mama an dem einen Arm zog, klammerte sich der andere an meine rechte Hand.

    Also gut, sagte ich mir. Er ist ja ein kleines Süßes Kind und das hier ist der einzige Weg zum Tempel. Ich erklärte der Mama, dass wir nur hinauflaufen und uns den Tempel ansehen wollten, und dann wieder kämen und wenn er wollte, könnte der Kleine gerne mitkommen. Das hielt sie offenbar auch für das Beste und ließ uns beide ziehen. Jedoch nicht, ohne uns eine vernünftige Eskorte zur Verfügung zu stellen, was wirklich eine prima Idee war, wie sich dann herausstellte.

    Wie auch bei uns musste natürlich der Größte unter den Mucken des kleinen leiden und bekam die Rolle des Aufpassers zugewiesen, die er wahrscheinlich ziemlich häufig wahrnimmt. Das Gute war, dass dieser Junge, er war 8 und hieß Ismael, sehr gut Englisch konnte, weil er schon 2 Jahre die Schule besuchte. Also habe ich mich ein bisschen mit ihm unterhalten. Wie viele Geschwister sie denn seien und wie alt. Da bemerkte ich, dass uns noch ein dritter Junge begleitete, der, wie sich herausstellte, der Mittlere der Jungs war und wahrscheinlich auch unter der Obhut des Großen stand und daher mit uns stapfen musste. Er hieß Yusuf.

    Während wir den Berg hinanstiegen und uns zaghaft unterhielten, reagierte der kleine Hamla an meiner Hand immer noch nicht. Aber anscheinend war er in der Hinsicht einfach sehr genügsam und das Anfassen eines Mzungus war im schon toll genug. Yusuf konnte leider noch kein Englisch, deswegen lief auch er recht still neben uns her. Ich fühlte mich also ein wenig hilflos, aber ändern konnte man an der Situation auch nicht wirklich viel. Nach einer ziemlichen Strecke kam mir der Gedanken, dass Hamla echt ein kleiner Pups war, der so einen Berg nicht hochsteigen sollte. Also nahm ich ihn auf den Rücken, wo er still im Takt meines Ganges vor sich herwippte. Aber offensichtlich gefiel ihm das ganz gut, denn er legte sofort den Kopf ab und suchte sich halt, indem er unter meinen Armen durchgriff, wie die Kleinen das hier machen, wenn sie im Tragetuch hocken (hier gibt es ja keine Kinderwagen).

    Nach einer Weile wurde das bei der knallenden Sonne (die mir ganz nebenbei einen tollen Sonnenbrand bescherte) ziemlich anstrengend. Als mir der Schweiß von der Nasenspitze tropfte (was keine Übertreibung und hier keine Seltenheit ist) meinten Daniel und Johannes, Hamla könnte ruhig malwieder ein Stück laufen, sodass ich ihn absetzte. Doch anstatt Hamla laufen zu lassen, kam nun Isma herbeigelaufen (ein Jahr jünger als Maiki und Verena!) um ihn zu tragen. Das konnte ich natürlich nicht zulassen und nahm das Paket wieder auf meinen Rücken.

    Am Tempel angekommen setzte ich ihn dann endgültig ab (er ließ ein kurzes, gewichtiges „Baha’i! hören), um die Tafel zu lesen, die dort stand, um Touristen über die Inhalte der Baha’i-Religion zu informieren, zu der übrigens auch Isma, Yusuf und Hamla gehören. Johannes meinte, diese Religion klingt, als hätte Immanuel Kant sie in Form gegossen. Und das beschreibt sie tatsächlich ziemlich gut. Unter den Hauptinhalten sind zum Beispiel die Einheit von Verstand und Glaube, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Unterstützung und Einheit des Glaubens durch die/mit den Wissenschaften plus der Begründung einer Weltzivilisation. Kann man so unterschreiben. Ich fragte mich aber natürlich gleich, wofür ich dazu eine Religion brauchen sollte, aber man „darf das ganze halt nicht auf die Spitze treiben, dem Volke muss die Religion erhalten bleiben.“

    Den Tempel kann man außerhalb der Öffnungszeiten für den Gottesdienst, der Sonntag 10:30 stattfindet, nicht betreten, deswegen drehten wir nur eine Runde um ihn herum, machten ein schönes Gruppenfoto und legten uns dann unter einen Baum. Während ich versuchte Isma und Yusuf bei Laune zu halten (weil ich Angst hatte, dass ihnen langweilig ist) indem ich ihnen meine Digitalkamera in die Hände drückte und aus Hamla durch ausgiebiges Kitzeln einen Laut herauszulocken (was mir auch gelang) spielten Daniel und Johannes eine Runde Schach. Das Gelände um den Tempel herum ist wirklich sehr schön. Im Prinzip fühlt man sich wie in einer Parkanlage bei uns zu Hause. Dadurch, dass der Tempel relativ hoch liegt, weht dort auch ein schöner Wind, sodass es Kühler ist als in der Stadt.

    Baha’i2

    Kurz gesagt, es war da oben richtig angenehm, aber ich konnte es nicht wirklich genießen, da ich mir Sorgen machte, dass Isma und Yusuf sich langweilten, denn mittlerweile waren sie dazu übergegangen einfach nur still nebeneinander zu sitzen.

    Jungs

    Hamla war auf meinem Schoss zufrieden eingeschlafen. Zwischendurch kam noch ein Afrikaner zu uns, der uns erklärte, dass er hier oben immer seine Bücher für die Uni lese (was Daniel und ich für eine großartige Idee hielten). Er erzählte uns, dass in den Dörfern in Uganda Kinder im gleichen Alter wie Isma, Yusuf und Hamla sicher schreiend vor uns weglaufen würden. Ich musste kurz darüber nachdenken, welches Verhalten mit eigentlich besser gefällt…

    Nunja… nachdem die beiden Jungs das Schachspiel beendet hatten (Daniel war so sicher am Gewinn, schaffte es dann aber irgendwie ein Remis hinzukriegen, weil er seine Dame genau dorthin setze, wo er sie nicht hinsetzen hätte sollen) machten wir uns an den Abstieg. Der war auch wieder schön anstrengend, denn Hamla schlief auf meinem Rücken weiter, während alle Afrikaner die uns entgegenkamen erst verwirrt guckten und dann anfingen zu lachen.

    Wieder bei den Häusern angekommen trug ich Hamla bis zu dem Rund im Schatten, in dem die Frauen mit den kleinesten Kindern versammelt saßen. Alle lachten herzlichen, als sie de Mzungu sahen, die den kleinen Hamla nach Hause schleppte. Aber ich glaubte, im Lachen auch ein wenig Anerkennung zu hören, also war ich zufrieden und beschwichtigte, die Mama, die sich unablässig entschuldigte, wenn sie nicht lachte. Der kleine Hamla sah mich mit großen Augen an, winkte, als seine Mama ihm das sagte und ging dann wieder spielen. Das war’s dann. Einmal Mzungu-als-Pferd-benutzten: Aufgabe erfüllt.

    So nahmen wir drei unser Matatu nach Hause, wo ich nach einem kräftigen Mittagessen (meine Arme zitterten die ganze Zeit über ein wenig, weil 3jährige nicht die leichtesten Kinder sind) erstmal ausgiebig duschte, um den Rest des Tages einfach nichts mehr zu machen. Mzungu kaputt.

    Vorfreude…

    •24 Februar, 2008 • Kommentar schreiben

    Ich habe heute auf dem Weg zum Baha’i-Tempel und wieder zurück den kleinen Hamla Huckepack getragen. Auf dem Rückweg hat der kleine Rotzlöffel auf meinem Rücken geschlafen. Was es mit dem Baha’i Tempel, mit Hamla und seinen Brüdern Ismael und Yusuf und meinem schmerzenden Sonnenbrand auf sich hat, erfahrt ihr morgen- wie immer mit Bildern dekoriert. Falls ihr in den letzten Tagen enttäuscht wart, weil es keine Neuigkeiten auf meiner Seite gab könnt ihr also aufatmen. Habt einen schönen Abend!

    Eure Sine. ;)

    Fahrradtaxi

    •21 Februar, 2008 • Kommentar schreiben

    Neulich hatte ich eine gute Gelegenheit, die Fahrradtaxis zu fotographieren, die ich ja bis jetzt noch nicht in den Sucher kriegen konnte. Das Bild will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

    Fahrradtaxis

    Der Streik ist zu Ende, das Warten beginnt

    •21 Februar, 2008 • Kommentar schreiben

    Nach meiner ersten Veranstaltung war der Rest meiner Woche nicht mehr sehr erfolgreich. Außer bei einer weiteren Vorlesung (Entwicklungsphilosophie am Dienstag) ist kein Dozent zu seiner eigenen Veranstaltung aufgetaucht. Die Studenten sagten mir, das sei so, weil die Dozenten ja gestreikt hätten und nun wissen, dass die Studenten nicht nach Kampala gekommen sind. Deswegen fangen sie erst nächste Woche an, damit keiner der Studenten, die nicht hier sind nichts verpasst. Mann…ich glaube, das ist unter Umständen ugandische Logik, oder? Die Stundenten hatten drei Wochen Zeit hier aufzukreuzen, wer da etwas verpasst hat meiner Meinung nach einfach Pech gehabt!

    Naja…die Theorie meiner Internetcafé-Lady, die auch schon an der Makerere studiert hat ist, dass die Dozenten eben faul sind. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit mal wieder irgendwo zwischen den beiden Thesen.

    Ich hatte euch ja schon ein bisschen von meiner ersten Veranstaltung geschrieben. Heute hatte ich die zweite Veranstaltung bei dem Dozenten und mein Eindruck, dass er sehr nett und ziemlich cool ist und vor allem so redet, dass man ihm sehr einfach zuhören kann, hat sich 100%ig bestätigt. Ich finde es witzig, dass er Orale Literatur unterrichtet, denn wenn er redet klingt es eigentlich immer so melodisch, als würde er gerade ein Gedicht rezitieren.

    Mein anderer Dozent war auch sehr in Ordnung. Obwohl die Art zu unterrichten hier schon sehr anders ist, als bei uns an der Uni. Zunächst einmal wirkt alles ziemlich verschult und ein bisschen frontal. Und manchmal walzen die Dozenten Sachen sehr lange aus, die bei uns mit einem Halbsatz erledigt wären oder als selbstverständlich angenommen und gar nicht angesprochen würden. Die Dozenten wiederholen sich sehr häufig und noch häufiger dann, wenn etwas so wichtig ist, dass man es aufschreiben sollte. Mein Entwicklungsphilosophiedozent schafft es auf diese Weise locker 10mal hintereinander das Gleich zu sagen. Aber wenigstens komme ich gut mit. Die Studenten und auch Dozenten haben eine etwas seltsame Art zu reden, wenn sie etwas betonen wollen. Daran muss ich mich noch gewöhnen. Sie sagen dann einen Satz. Und wiederholen ihn nocheinmal, beim zweiten mal allerdings bringen sie immer ein „what?“ in den Satz ein. Ein besonders lustiges (und ein wenig nerviges) Beispiel habe ich bei Entwicklungsphilosophie erlebt:

    Dozent:

    Nun möchte ich Ihnen verdeutlichen, dass Entwicklung interdisziplinär ist, Entwicklung findet überall statt, Entwicklung ist nicht nur ein Thema für Wirtschaft und Philosophie, Entwicklung findet sich überall.

    Er schreibt mit Kreide an die Tafel:

    Physiologie- motorische Entwicklung eines Kindes

    Photographie- Entwicklung eines Negativs

    Geographie- Entwicklung einer Landschaft

    Hausbau – Entwicklung eines Risses

    Gesundheit- Entwicklung eines Fiebers

    Sie sehen, Entwicklung findet überall statt! (Er liest alles noch einmal vor.) Entwicklung ist ein Prozess, der überall stattfindet. Also Entwicklung ist – ein WAS?

    Alle Studenten um mich herum rufen: Ein Prozess!

    Dozent: Genau, ein Prozess, der überall stattfindet, auch im Hausbau. Im Hausbau entwickelt sich -ein WAS?

    Alle Studenten um mich herum rufen: Ein Riss!

    In dem Moment war ich ein wenig überrascht, um loszulachen, aber ich weiß nicht, was beim nächsten mal passiert, wenn ich einem Philosophieseminar, in dem man besonders kritisch denken sollte auf einmal wieder alle nachblöken, was der Dozent sagt, besonders, wenn es etwas so Fundamentales ist wie „Ein Riss!“.

    Und ich dachte. Nun gut, du wusstest, dass die pädagogischen Methoden hier ein bisschen veraltet sind, das wurde dir ja erzählt. Nur, am nächsten Morgen machte ich meinen Mitstudenten, den ich nächste Woche nochmal nach seinem Namen fragen muss, darauf aufmerksam, dass zwei Veranstaltungen zur gleichen Zeit im Gleichen Raum auf dem Stundenplan stehen, und dass das doch nicht geht…

    Er erwiderte: „Kein Problem, die beiden Dozenten werden sich hier treffen und ihren Fehler bemerken, und dann ändern sie- WAS?….(ich gucke ihn irritiert an)…DEN STUNDENPLAN!“

    Also, die Leute reden hier einfach so, wenn sie eine gewisse Ausbildung durchlaufen haben, glaube ich. Daran muss man sich einfach gewöhnen.

    Woran man sich auch gewöhnen muss, sind die Räume. Zur zweiten Vorlesung musste ich in den Hörsaal drei. Als ich den Raum betrat war noch niemand darin. Ich ging nocheinmal zur Tür und schaute darauf: Doch, das war der Hörsaal drei.

    „Nungut, dachte ich. Gucke ich einfach nochmal an den Stundenplan, ich hab mich wohl verguckt.“ Denn der Raum sah so aus:

    Hörsaal 3

    Nun, während ich noch vor dem Raum stand, traten andere Stundenten an mir vorbei in ihn herein und begannen tatkräftig, die Plakate zu zerreißen, um sie zu nutzen, um die Sitzbänke abzuwischen, die ein Semester lang nicht genutzt wurden. Ich kramte in meiner Tasche nach einem Taschentuch und tat es ihnen vorsichtshalber nach. Keine schlechte Idee, wie sich herausstellte:

    Dreck

    Später nutzte der Dozent ein altes Transparent, das hinten im Raum lag, um die Tafel abzuwischen…

    Als ich saß, sah ich mich nocheinmal im Raum um, da im Raum am Montag eine etwa 5cm(ohne Beine) große Spinne an der Decke gehangen hatte und unter soeine wollte ich mich nicht setzen. Aber in diesem Raum waren eher freundlich gesinnte Lebewesen unterwegs (das weiße ist übrigens angestrichene Korkwand, mit der der Raum ausgekleidet war):

    Mr. Grashoper

    Allerdings saß der heute auch noch da- ich glaube der lebt nicht mehr wirklich.

    Während der Veranstaltung fing es glücklicherweise (denn es war wirklich schon drückend heiß) an zu regnen. Begleitet von meinem dritten Gewitter hier, seid meiner Ankunft, das man auch wirklich mal so nennen konnte. Beim ersten richtigen rums schaute ich zum Fenster- gerade rechtzeitig um so einen richtig großes Gecko vom Fenster zur Schrankwank flüchten zu sehen. Ganz mutig schaffte ich es, mich zusammen- und meine Gedanken von dem Vieh loszureißen, um der Veranstaltung zu folgen, was mir auch gut gelang- ist ja nicht schwer, wenn alles 5mal gesagt wird…

    Begreife das System…

    •19 Februar, 2008 • 2 Kommentare

    So… nun hatte ich endlich meine erste Vorlesung, nach der sich auch alle uebriggebliebenen Fragen geklaert haben. Entsetzlicher Weise habe ich nun doch ziemlich wenig zu tun hier an der Uni. Der Stundenplan war unterteilt in „Day“ und „Evening“, wobei ich nicht dachte, dass das eine besondere Bedeutung hat- hat es aber. Denn am Abend bzw. Samstag wird einfach nocheinmal das gleiche unterrichtet wie tagsueber. Das heisst, man kann sich eins von Beiden aussuchen und hat dann eine Veranstaltung durchschnittlich dreimal in der Woche. Das heisst ich habe also 12 Stunden Uni in der Woche und nie laenger als bis 17Uhr. Auch Samstag habe ich keine Vorlesungen. Prima. Ich will jetzt versuchen, die Leute vom Masterstudiengang fuer Menschenrechte zu fragen, ob ich mich vielleicht einfach so zum zuhoeren in Veranstaltungen von ihnen setzen kann, denn die Interessieren mich schon sehr.

    Meine erste Veranstaltung ging heute nicht so lange, da wie bei uns in der ersten Woche erstmal nur das Programm vorgestellt wird. In meiner Veranstaltung waren wir sechs Leute. Ich glaube das ist der Durchschnitt bei Philosophie und Literaturveranstaltungen hier. Sehr erholsam also gegenueber den 40 die manchmal bei uns drinsitzen. Die Vorlesung behandelt Orale Literaturen, also eigentlich Literatur, die nur gesprochen ist und nicht irgendwo aufgeschrieben. Sowas gibt es hier in Afrika (oder gab) es hier sehr haeufig, da die meisten Ethnien keine Schrift kannten und alles muendlich weitergegeben haben (Maerchen, Raetsel, Sprichwoerter, aber auch ihre Geschichte). Der Professor war sehr locker und hat eine Art zu sprechen, bei der einem das Zuhoeren nicht langweilig wird. Eines unserer Themen wird Trommel-Literatur sein, von der ich auch noch nichts gehoert habe, deswegen wird das sicher interessant. Er hat zur Demonstration was gemeint ist ein paar Rhythmen getrommelt, bis er einen dabei hatte, den die anderen Studenten um mich herum tatsaechlich verstanden haben. Der hiess soviel wie: „Ich will nicht, dass du noch schlaefst“, also „Wach auf!“ und ein anderer hiess wohl „Wir brauchen hier Hilfe.“ Wahrscheinlich sind der Trommelrhythmus und der Sprachrhythmus gleich, aber ich werde das sicher nicht verstehen…oder vielleicht doch, mal sehen. Jedenfalls kann ich mir noch nicht vorstellen, wie man mit einer Trommel Literatur zustande bringen soll. „Steh auf!“ ist ja nicht von vornherein poetisch. Die Zeit wirds zeigen…

    Soo…das war erstmal der kurze Zwischenbericht von der Front. Ich habe jetzt gleich noch 2 Stunden Entwicklungsphilosophie und dann noch eine Stunde Zeitgenoessische Afrikanische Philosophie. Und ich freu mich schon drauf. Worauf ich mich nicht freue sind die Klausuren. Fuer jedes Fach schreibt man am Ende des Semesters eine dreistuendige Klausur. Da werde ich ganz schoen viel lernen muessen… aber bis dahin ist es ja noch lange hin.

    Also…machts jut soweit!