Ich fahre Morgen früh um acht mit dem Bus nach Gulu.
Dort werde ich an einem Seminar der VPRS (Vistims Participation and Reparation Section- Abteilung für Opferpartizipation und- reparation) des Internationalen Strafgerichtshofes teilnehmen, das über Partizipationsmöglichkeiten von Opfern aufklärt. Ich bin schon sehr gespannt auf die Busfahrt! Natürlich werde ich euch davon berichten, wenn ich am Freitag wiederkomme. Um euch nicht zu beunruhigen schreibe ich jetzt auch nicht, dass die Bundesregierung von Fahrten in den Norden Ugandas abrät und dass man den Norden vor zwei Jahren sicherheitsbedingt auch wirklich noch nicht bereisen sollte. Aber mir wurde von allen Seiten versichert, dass es dort nun sicher ist und sehr interessant, weil man dort sehr viele Flüchtlingslager sieht und einen Eindruck davon bekommt, was ein Krieg bedeutet. Auch Tina war dort und sagte, es sei in Gulu sehr schön. Also: Keine Sorgen machen.
Letzen Freitag hat hier doch tatsächlich der nicht-existente Öffentliche Nahverkehr gestreikt! Um euch nochmal den Zustand der Matatus in Erinnerung zu rufen: Viele klappern unaufhörlich, der Kofferraum ist manchmal nur notdürftig zugebunden, damit er während der Fahrt nicht aufspringt, die Matatus sind oft überladen und man fragt sich häufig, ob der Fahrer nicht verdächtig jung sei…
Aus diesen und anderen Gründen hat die Polizei in letzter Zeit verstärkt Matatus kontrolliert und aus dem Verkehr gezogen. Was die Matatufahrer wohl ausgesprochen unangebracht fanden. Deswegen haben sie spontan einen eintägigen Streik ins Leben gerufen und ihre Fahrzeuge stehen gelassen. Dem nicht genug wollten sie natürlich nicht, dass es irgendeinen Alternativtransport gibt, weswegen die Matatufahrer sehr engagiert und laut johlend auf jeden Boda- und Taxifahrer mit Stöcken und Steinen losgegangen sind. Ich selbst fand mich in einer solchen Gruppe „Aktivisten“ wieder, während ich zur Arbeit lief (was wirklich anstrengend war und die Alten Leute und jene mit viel Gepäck die gestrandet am Straßenrand standen konnten einem nur Leid tun.) Es war schon etwas beängstigend.
Bilanz: 1 Toter, 100 Verletzte und ein in brand gesteckter Bus, der nach Gulu fahren wollte (das ist Zufall).
Am nächsten Tag sah die Stadt aber schon wieder aus, als währe nie etwas passiert.
Dies nur kurz als Zwischenmeldung von hier unten. Ich muss jetzt noch meine Sachen packen und bin schon ziemlich aufgeregt. Am besten erreicht ihr mich in der nächsten Woche über das Telefon. Wahrscheinlich gibt es in Gulu auch Internet, aber ich weiß nicht, wie gut das ausgebaut ist und wieviel Zeit ich neben dem Seminar habe, mich mit Emails zu beschäftigen.
Óla! Wiedermal eine kurze Zwischenmeldung aus dem schwarzen Kontinent. Derjenige der diesen Begriff geprägt hat muss übrigens einen sehr sehr sehr starken Sonnenstich oder eine von diesen all-round-Burkas (an)gehabt haben- schwarz währe nun wirklich die letzte Farbe, die mir zu diesem Kontinent (wenn ich das mal so verallgemeinernd sagen darf [P.s. Nicht vergessen, Afrika ist KEIN Land, sondern ein Kontinent mit 53 Ländern (so viele sind jedenfalls in der Afrikanischen Union), die man natürlich alle in ihrer Einzigartigkeit differenziert betrachten muss! (genug geklammert)]. Schwarz währe also jedenfalls die letzte Farbe, die mir zu meinen Erfahrungen hier einfallen würde.
Heute schreibe ich mal wieder einfach so einen bunten Mischmasch drauflos.
Zunächst einmal lade ich für alle, die unter Zuhilfenahme verschiedenster globaler Satellitenüberwachungsprogramme verzweifelt versucht haben, meinen Standpunkt ausfindig zu machen zwei schöne Karten von Kampala hoch, die ich noch ein wenig persönlich verschönert habe, sodass sie auch ja nicht zu anspruchslos erscheinen.
Auf der ersten seht ihr fast ganz Kampala, auf der zweiten nur unseren Stadtteil. Von meinem Studentenwohnheim (Akamwesi Hostel) bis zu meiner Arbeit brauche ich mit dem Matatu übrigens ungefähr eine Stunde, weil auf der Strecke meistens Stau ist und einige abartige Schlaglöcher (jeweils zwischen zwei Verkehrberuhigungshügeln, die das Profil der Buschmühler Dorfstraße quer über die Straße imitieren) Klassentreffen feiern. Auf dem Rückweg hat mich heute glücklicherweise meine Chefin (die sehr nett ist, hier aus Uganda stammt und Rose heißt) mitgenommen. Und jetzt dürft ihr dreimal raten, woher ihr Freund kommt:
Uganda
Canada
Schwerin
Tja. Klingt komisch, ist aber so. Das schönste daran ist aber eigentlich, wie Rose „Schwerin“ ausspricht, da geht einem das Herz auf. Ich fang’ gleich an zu heulen . Auch „Friedrich-Ebert-Stiftung“ und „Verpflichtungserklärung“ waren die schönste Musik in meinen Ohren (etwa so wie der Jugendchor des Goethe-Gymnasiums-Demmin von 1999).
Rose hat mir aber auch anderweitig weiter geholfen (jedenfalls möchte ich das gerne glauben). In den letzten Tagen war/bin ich ziemlich krank. Von einer richtig starken Erkältung und leichtem Fieber ist mir in den letzten Tagen aber nur noch ein menschenunwürdiger Husten und da bedrückende Gefühl, ständig zu wenig Luft zu kriegen erhalten geblieben. Nachdem Rose (wie auch meine liebe Mama am Telefon) mich immer wieder darauf hingewiesen hat, dass ich ordentlich inhalieren, viel trinken und mir Ruhe gönnen und mal zum Arzt gehen sollte (was ich immer noch nicht gemacht habe und wahrscheinlich auch nicht machen werde), hat sie mir heute dieses tolle ugandische Naturmittel empfohlen. Und da mir auch Noah das schon ans Herz gelegt hatte und Rose mir hilfsbereit den Namen aufschrieb, den ich mir sonst niemals hätte merken können UND weil das zeug nur gut 80cent kostet, hab ich es glatt mal gekauft.
Tadaaa:
Das Zeug heißt Muwummuza und ist, wie man auf der Rückseite lesen kann, sehr
hilfreich. Und zwar bei allen allgemeinen Erkältungen, unter anderem: Grippe, Husten, Sinus (Hääh?), Asthima (hihi), Katarrh (sicher auch in Katar), Keuchhusten und anderen allergischen Zuständen. Und dabei rein „homöopathisch“ mit Kräuterformel: Wabugia (keine Ahnung), Bulamu (auch nicht), Capuscum (nö, auch nicht), Campher (Aha!), Eukalyptusöl, Aloe-Vera-Saft, Wilde-Beeren-Saft, Honig, Brauner Zucker, destilliertes Wasser. Wollt ihr wissen, wie dieses rotbraune Gebräu, von dem ich nun 3 mal 2Teelöffel pro Tag in mich reinschütten muss um zu genesen und auf diesem Wege meinen Liebsten zu beruhigen, schmeckt? Schaut auf die Überschrift dieses Beitrages. Das Zeug riecht so, wie die Sachen, die man bei uns zum Inhalieren nutzt und welche mit der dicken Aufschrift „Nur zur äußerlichen Anwendung!“ versehen sind (also wie handelsüblicher Erkältungsbalsam oder japanisches Heilöl). Und schmecken tut das ganze so sauer, wie Sambal Oleg scharf ist, gemischt mit japanischem Heilöl. Hmmmmm. Also wenn das Zeug so gesund macht, wie es eklig schmeckt heiße ich ab heute Siegfried-Achill-Clark-Peter-Logan (so wollte ich schon immer heißen). Und wenn ich daran tatsächlich nicht sterbe, dürfen alle die ich besuche, wenn ich zurück bin zwangsweise davon probieren (Tja, ich kann mir die Fahrtkosten, die ich nun schon so viele Leuten in meinem Heimweh-emotionalisierten Zustand versprochen habe nun wirklich nicht leisten und warte auf Eure bedauernden Absagen).
Für den Fall, das mir dieser Hustensaft, für den mir keine hinreichend ekligen Namen mehr einfallen nicht hilft habe ich mir aber in letzter Zeit ein paar Freundinnen zugelegt, die mich dann hier beerdigen und euch benachrichten, wenn sie sich durch mein deutschsprachiges Handy wurschteln können. Vane kenne ich aus meiner Vorlesung über Orale Literaturen (von der ihr immer schlecht wird), wobei sie zusätzlich mit mir zusammen im Akamwesi Hostel wohnt. Sie studiert im Hauptfach Politik und ist meiner Meinung nach ganz umwerfend hübsch und cool. Außerdem kommt sie aus Kenia, was mir regelmäßig hilft mein Selbstbewusstsein aufzubauen, wenn sie mit ihren Eltern telefoniert und ich tatsächlich ein paar Bröckeleinchen von ihrem Swahili verstehe. Was mich allerdings absolut überzeugt hat ist, dass sie Rockmusik hört und nicht, wie sonst offenbar 99,9% meiner Mitbewohner Rhythm& Blues. Übrigens kann ich ohne Übertreibung behaupten, dass alle Uganderinnen (und auch die Kenianerinnen), die ich bisher singend angetroffen habe (was hier oft passiert, da hier viele Leute (Auch die Männer), wenn sie die Straße entlang laufen, irgendwo warten oder etwas ähnlich anspruchsloses machen einfach anfangen zu singen) einfach umwerfend schöne und dabei absolut natürlich klingende Stimmen haben. Ich wollte es nur lange nicht schreiben, weil es mir zu sehr nach einem Klischee klingt, aber irgendwo müssen Klischees ja auch herkommen. So. Jetzt muss ich mich kurzfassen, weil ich nur noch Geld für 20Minuten Internetcafé habe. Vane hat noch eine tolle Freundin, die Nelly heißt und schonmal sieben Jahre in Kanada gewohnt hat, aber ursprünglich aus uganda kommt und nun auch wieder hier studiert. Wir drei werden wahrscheinlich in nächster Zeit mal zum Klamottenkaufen losziehen. Für Freitag und Samstag musste ich schon versprechen, dass wir ordentlich durch die Clubs ziehen gehen. Afrikanische Mädels können so überzeugend sein…
Und wer bis hierhin durchgehalten hat, wird doch glatt noch mit Fotos vom Campus belohnt:
Das Hauptgebäude mit den Marabus, die hier von den meisten auch „Studenten“ genannt werden, weil sie ständig auf dem Campus rumhängen:
Und hier die Guild Canteen,
in der ich sehr häufig Essen war, als ich noch öfter an der Uni war. Da gibt ein tolles Buffett, bei dem man sich für 1Eure den Teller bis über den Rand vollstapeln kann. Natürlich nur local food (also „traditionelles“ Afrikanisches Essen), aber das schmeckt herrlich, wenn man sich mal daran gewöhnt hat. Nur die Fischköpfe würde ich nichteinmal probieren, wenn ich kein Vegetarier wäre!
Und noch einen Blick über Kampala vom Gebäude der Registratur, das aussieht und genauso wirkt wie „DAs Haus das Verrückte macht“ bei Asterix und Obelix.
Morgen ist Halbzeit für meinen Aufenthalt hier in Uganda. Die Zwischenbilanz sieht eigentlich ganz gut aus. Mittlerweile kann ich es mir gut vorstellen, hier mal 1 oder zwei Jahre zu leben, man gewöhnt sich an, das was hier hektisch erscheint nicht mehr allzusehr als hektisch wahrzunehmen und hier einen ganz normalen Alltag zu haben, wie zu Hause auch. Obwohl dieser insgesamt vielleicht etwas spannender ist als zu Hause, weil immer wieder schöne und unschöne Dinge passieren. Man wird auch viel ruhiger, was die ganzen Gefahren angeht, vor denen man gewarnt wird. Eigentlich habe ich hier nichts davon mitbekommen. Man muss sich eben ein bisschen anpassen, wie überall. Wenn ich in Deutschland meine Räder nicht anschließe werden sie auch geklaut, so wie hier eben ein Handy, wenn man die Tür nicht abschließt. Wenn ich in Deutschland anfange über den Verkehr zu fluchen wird er nur noch schlimmer, genauso wie hier auch. Grundsätzlich ist es also nicht so viel anders. Nur dass man hier viel mehr Sonnenunter- und aufgänge hat, weil die Sonne später aufgeht als bei uns und früher unter. Das heißt man verschläft die Aufgänge nicht so leicht. Deswegen konnte ich euch auch ein paar schöne Bilder davon machen, in der letzten Woche.
Hier noch ein Bild auf dem ihr einmal seht, wie schief der Mond hier am Himmel rum hängt:
Und jetzt, bevor es eklig wird noch mein ganzer Stolz:
Das im Hintergrund ist übrigens das Hauptgebäude der Uni, das schon ziemlich hübsch anzusehen ist. Ich werde morgen mal ein paar Bilder von der Uni reinstellen- das wird jawohl langsam Zeit. Auf der Rückseite des Studentenausweises ist sogar mein digitalisierter Fingerabdruck aufgedruckt, was hier obligatorisch ist- mit dem Studentenausweis komme ich sogar in die USA .
Die nächsten Bilder zeigen meinen Weg zur Arbeit, meine Arbeitsstelle und den Ausblick von meinem Arbeitsplatz. Bitte jetzt neidisch werden!
Zum Abschluss etwas, damit ihr euch zu Hause wieder etwas wohler fühlt. Viel Spaß…
P.s. Könnt ihr mir bitte sagen, ob es für euch besser ist, wenn ich die Bilder wieder nur als kleine Vorschau in die Beiträge stelle? Brauchen eure PCs lange, um die Seite mit den mittelgroßen Bildern aufzubauen?
Ich hab es geschafft. Ich bin gerade erfolgreich von meinem ersten Praktikumstag zurueckgekehrt und dementsprechend alle. Ich bin jetzt also bei HURINET untergekommen (ja, ich weiss, die haben URIN in ihrem Namen…) das ist das Human Rights Network Uganda. Im speziellen haben die mich maleben dahin gesteckt wo sie Leute brauchten, naemlich zur UCICC, genauer Ugandan Coalition on the International Crime Court (und jetzt nochmal fuer alle deutschen: Ugandische Koalition zum Internationalen Strafgerichtshof). Wow. Das ist ja mehr als ich mir als popliger Philosophiestudent erwartet hatte. Jetzt denke ich natuerlich gleich mal ueber ein zweitstudium in Recht/Voelkerrecht nach. Die Sine wieder…
Wir haben heute in einem Meeting den Aktionsplan fuer das neue Quartal aufgestellt, den ich dann gleich mal in Reinform tippen durfte. Im grossen und ganzen organisiert die UCICC Trainings ganz verschiedener Art fuer verschiedene Leute (Journalisten, Politiker, Richter, Polizisten, Studenten, normale Buerger) um sie ueber die Arbeit des Internationalen Gerichtshofes aufzuklaeren. Dafuer fahren sie in alle moeglichen Landesteile, sodass ich erwarten kann auch mal ein bisschen rumzukommen. Sogar Gulu- der gefaehrlich Norden buhuuu (nur ein Witz) steht auf dem Plan. Da freue ich mich schon drauf. Tina hat es dort gefallen. Meine Arbeitskollegen sind supernett. Rose ist die Koordinatorin des ganzen und Francis ihr Assistent. Ansonsten ist nur noch Paul (glaub ich) da, ein Jura-Student der auch ein Praktikum macht. Francis ist ziemlich locker, er hat schon in den Niederlanden studiert und mich zum Mittag mein Essen selbst bezahlen lassen (was hier bei Maennern selten vorkommt, ich aber sehr schaetze).
So… das soll es erstmal als kleine Aktualisierung zwischendurch gewesen sein. Ich muss jetzt noch ein wenig fuer die Uni lernen und meine taegliche Ananas schlachten.
Uebrigens koennt ihr mich jetzt erst recht noch spaet anrufen, weil der Zeitunterschied zu Uganda dank unserer Zeitverschiebung nur noch 1 Stunde betraegt.
rohgehaun, rostigbraun
geht die Sonne über dir unter
Dächermeer
du birgst so viele Leiber
ein Heer alltäglicher Gestalten
erdenkalt, farbenbunt
unter der weiten Ebene metallner Wellen
luftgetöse, rhythmusfäden
schwimmen durch deine Nebelluft
Sie gehen, wo die Geborgenen nur träumen können.
Leben ist in dir gefangen und droht an sich zu vergehen
doch nur in dir – blüht es auf.
Daniel und ich haben es am Montag tatsächlich noch geschafft, ein wenig Ostern zu „feiern“. Und das Ergebnis sah so aus:
Als wir dann vorfreudig unsere Eier pellten wurde uns bewusst, warum eigentlich nicht alle Menschen ihre Eier mit Edding und Neonmarkern bemalen, obwohl das doch soo einen Spaß macht…
Aber egal- es war schließlich Ostern und uns fehlen sowieso die Proteine. Also rein damit. Als wir jeder zwei Eier gefuttert hatten bemerkten wir, dass wir jeder die Eier gefuttert hatten, die wir selbst bemalt haben. Also haben wir uns später am Tag noch etwas Schokolade geschenkt, sonst hätten wir gar keine Ostergeschenkte für uns gehabt .
Abends ging es dann zum „Fasika“, einem Äthiopischen Restaurant im Süosten der Stadt (in dem Viertel sitzen die ganzen Nicht-Regierungs-Organisationen und immer viele Mzungus in den Cafés). Äthiopisches Essen schmeckt so wie man sich fühlen muss, wenn man grad den Mt. Everest bestiegen hat- einfach weltspitze! Selbst mein vegetarisches Essen schmeckte, als wenn Fleisch drin wäre (lecker!!!). Man bekommen einen riesen (das heißt 40-50cm Durchmesser) Sauerteigfladen und dazu ein bisschen geschmorrtes Gemüse. Zusätzlich gab es drei verschiedene „Dips“, von denen zwei tierisch schAAAAArf! waren. Gegessen wird mit der Hand, was wir aber mittlerweile schon relativ gut draufhaben. Man isst natürlich nur mit rechts, weil man sonst nix mehr anfassen kann, ohne es einzusauen. Vor und nach dem Essen kommt hier immer der Kellner mit einem Wasserkrug, Seide und einer Schüssel vorbei, womit man sich die Hände wäscht. Also- man reißt mit der rechten Hand ein passables Stück von dem Fladen ab und faltet es bedächtig über dem Dip zusammen, versucht noch etwas Gemüse aufzufischen und stopft das ganze dann Genüsslich in den Mund- der Himmel. Das schöne an dem Essen ist, dass es wenig aussieht, aber sogar ich es nicht aufessen konnte. Ich hätte fast geheult, weil es doch so gut geschmeckt hat und ich noch gar nicht aufhören wollte, aber es ging einfach nichts mehr rein. Daniel war ja letztes Jahr schon einmal in Äthiopien und hat erzählt, dass wenn man dort den Fladen schafft, man noch einen hinterher bekommt. Na Prosit Neujahr! Den will ich sehen, der das schafft. Im Hof neben unserem Tisch (es ist übrigens alles mit Petroleumlampen beleuchtet, was in den Sommernächten mit dem mildem Wind hier immer eine tolle Atmosphäre schafft) gab übrigens eine Schaukel. Ich habe vorgeschlagen, dass dies wahrscheinlich der Geschmackvolle weg zur Überfütterung ist. Wenn man sich voll fühlt, aber noch weiteressen will schaukelt man einfach, bis man zur Toilette rennen muss…und dann isst man weiter- prima Institution! Ich habs aber nicht ausprobiert, weil mittlerweile schon das Licht ausgemacht wurde um uns (wir waren die letzten Gäste) endlich zu verscheuchen. An dem Abend haben wir auch Tina das letzte Mal getroffen. Sie ist gestern wieder nach Hause geflogen, worum ich sie ein bisschen (aber nur ein bisschen bisschen) beneide und ich hoffe sie ist gut angekommen. Gestern Abend haben wir bei Karl (er hatte sich hier eine Wohnung gemietet) auch ein Abschiedsessen veranstaltet, das heißt wir haben Nudeln und frisches Gemüse (wir haben sogar Knoblauch gefunden!) auf dem Markt gekauft und bei ihm zu einem schönen Essen verarbeitet. Dazu haben wir uns Rotwein aus dem Tetrapak gegönnt, weil der hier mit umgerechtnet 2,80€ der billigste Wein ist und gar nicht mal soo schlecht schmeckt. Flaschenweine fangen hier bei 6€ an. Ein teures Vergnügen also.
Eben gerade habe ich mich das erste Mal allein mit Matatu und Boda-Boda nach Kabalagala (wo auch der Äthiopier ist) durchgeschlagen, um mir ein Praktikum zu suchen. Leider war die Foundation for Human Rights Initiative schon mit ausreichend Praktikanten gesegnet (sagten sie jedenfalls), aber sie haben mir kontakte zu anderen Menschenrechts-NROs gegeben. Also drückt mir die Daumen, meine Lieben!
Eure Sine.
P.s. Mann Schwesterherz jetzt bin ich aber wirklich tierisch auf mein Ostergeschenk gespannt, beeil dich mir die Email mit dem Foto zu schicken und Daaaanke!!!
ich möchte euch nur mal eben ganz ganz tolle Ostern wünschen und ein bisschen weniger Schnee im deutschen Frühling.
Zum Ostersonntag gabs bei uns ein Naturereignis der ganz besonderen Art- 24 Stunden Dauerregen. Und zwar nicht Nieselregen, sondern REGEN. Ich habe keine Ahnung, wo diese Wassermassen herkamen geschweige denn wohin sie gegangen sind. Die Welt stand hier auf jeden Fall ein kleines bisschen still. Zum Mittag habe ich es geschafft, mir eine Packung Kekse zu organisieren. Gott seid Dank habe ich mir mein eigenes Ostergeschenk schon am Samstag gekauft:
Eine der schönen Ketten aus Papier, die man hier für fast nix kaufen kann. Wahrscheinlich werde ich mir davon noch ein paar in anderen Farben kaufen…und wer immer eine haben möchte sage mir einfach bescheid.
Ich stelle mal eben die restlichen Fotos von den Ssese-Islands in den Blog. Ich versuche gerade, ein Praktikum hier in Kampala zu finden, das etwas mit Menschenrechten zu tun haben könnte- wünscht mir Glück, ansonsten langweile ich mich wieder zu Tode…
es musste natuerlich so weit kommen. Am Freitag wurde mir (hier wohl obligatorisch) mein Handy geklaut. Natuerlich hatte ich am Donnerstag erst bemerkt, dass mein deutsches Handy durch meine Vertragsstilllegung endlich auch meine ugandische SIM-Karte akzeptierte. Also habe ich mein altes Nokia nicht mehr benutzt.
Zweiter Zufall war, dass Daniel am Freitag vorbeikam, als ich meine Waesche machte. Mit den nassen Haenden hatte ich keine Lust, die Zimmertuer wieder hinter ihm abzuschliessen- schliesslich war ich ja im Zimmer.
Ich ging also wieder ins Bad, um meine Waesche zu waschen (das Bad ist ein kleiner Raum im Zimmer selbst. Da klopfte es an meiner Tuer. Und da ich wusste, dass es nicht Daniel war (der klopft anders) und keine Lust hatte wieder mit irgendeinem Ugander zu quatschen, der gemerkt hat, dass in D26 eine deutsche wohnt der man seine Deutschbrocken („Du haisst aleso Liselotte?!“) an den Kopf werfen kann, bin ich einfach nicht an die Tuer gegangen.
Zwischen meinen Wasserplanschgeraeuschen hoerte ich dann aber irgendwie meine Tuer sich oeffnen und schliessen. Als mein Gehirn die Bedeutung dieses Geraeusches verarbeitet hatte wagte ich einen Blick aus der Badtuer- das Mosquitonetz war unter der Bettmatratze hervorgezogen und hing in der Tuer. Hastig rannte ich mit meinen nassen Badelatschen zum Bett- mein Handy lag nicht mehr dort.
Auch dass ich so schnell es ging Daniel holte, damit er meine Nummer anrief half nichts mehr. Die SIM-Karte war nicht mehr erreichbar, also schnellstens aus dem Handy entfernt worden.
Kurz und gut. Ich bin nun stolzer besitzer eines Nokia 3310 (frueher war doch eh alles besser) habe eure adressen, nummer etc. nicht mehr, dafuer jedoch eine neue Nummer:
00256-775-409764
Das einzig gute ist, dass meine deutsche SIM-Karte nicht in meinem tollen Handy war und dass es jetzt so schnell wie moeglich gesperrt wird. Die Rache der kleinen Sine…
Und noch etwas.
Ich wollte mich heute in der Uni registrieren, damit ich endlich ein richtiger ugandischer Student bin. Da stellte sich heraus, dass ich nur fuer 2 Kurse angenommen wurde und natuerlich auch nur dafuer Studiengebuehren gezahlt habe. Um alle meine Kurse machen zu koennen haette ich nachzahlen muessen. Da ich darauf aber keine Lust (und dafuer auch kein Geld) hatte, hab ichs gelassen. Die Kurse erkennt mir spaeter eh keiner an. Nun mache ich also nur noch Afrikanische Philosophie und Orale Literaturen und hab schoen viel Freizeit….Uganda ich komme. Ich werd mir also nochmal den Reisefuehrer von Daniel leihen und schauen, wo ich so ueberall hinfahren kann. Vielleicht besuche ich mal die Tina (http://danyonited.de/twiga/ ) in Mbale…
Letztes Wochenende haben wir einen Mini-Urlaub auf den Ssese-Inseln verbracht. Diese liegen im Victoriasee und sind von Entebbe mit der Fähre innerhalb von drei Stunden zu erreichen. Wie uns der Besitzer von dem Hostel sagte, bei dem wir von Freitag auf Samstag in Entebbe übernachteten sei die Fähre das einzige, was in Uganda immer pünktlich sei. Da die Fähre also erst am Samstag 14:00Uhr in See stach verbrachten wir den Freitag Abend damit, unser geliehenes Zelt aufzubauen,
um dann mit Jasna, einer sehr netten Belgierin ihren letzten Abend in Uganda zu verbringen. Dem Anlass angemessen gingen wir am Strand des Sees eine Pizza essen. Pizza ist hier in Uganda ziemlich teuer und nicht so einfach zu kriegen. Eine Pizza kostet im Schnitt 14000 Shilling (was wahrscheinlich auch daran liegt, dass Käse darauf ist- 100g Käse können hier schnell mal 2€ kosten), was bei dem derzeitig ganz tollen Wechselkurs etwa 5,40€ sind. Also für deutsche Verhältnisse natürlich nicht viel, aber in Uganda bekomme ich dafür in der Uni 5einhalb wirklich sättigende Mittagessen!
Dafür war die Dämmerungsstimmung am See aber einfach unschlagbar, genauso wie die vielen „Dudus“- dämliche Insekten die wie der Teufel auf Licht gehen und nichts weiter machen als höllisch zu nerven, weil sie einem auch gerne ins Gesicht fliegen, was beim Essen etwas hinderlich sein kann.
Nach unserem dekadenten Mahl brachten wir Jasna zum Flughafen, wo mir ganz mulmig wurde, weil ich so langsam auch mal Lust auf einen kurzen Heimurlaub hätte. Nur mal eine Woche nach Haus und dann wieder zurück, das wäre ganz groß…
Am Flughafen, der auf mich plötzlich einen unheimlich modernen Eindruck machte, weil ich mich schon so gut an die Baufälligkeit der meisten Gebäude hier gewöhnt habe, war die moderne Glasfensterfront geschlossen mit toten und lebenden Dudus bedeckt, die im Dunkeln von dem hellen Licht des Flughafens angezogen wurden. So verabschiedeten wir Jasna und fuhren zurück zu unserem Zelt, das wir gewählt hatten, weil in dem Hostel kein Zimmer mehr frei war. Ich war ziemlich aufgeregt- Zelten in Afrika!- aber dann letztendlich doch recht schnell eingeschlafen, weil der Tag, mit der 1stündigen Matatu-Fahrt von Kampala nach Entebbe und der Uni von 7-12 Uhr doch recht ermüdend gewesen war. Die ganze Nacht hindurch brüllte allerdings von Nachbargrundstück eine Kuh herüber, was mich, wenn ich aufwachte immer wieder zum Schmunzeln brachte.
Am nächsten Morgen besuchten wir vor unserer Abfahrt zu den Inseln noch den Botanischen Garten in Entebbe, der wirklich unheimlich groß ist und in dem natürlich viele viele Pflanzen stehen. Wir hatten einen ganz guten Führer, der im Nachhinein zwar ein bisschen viel Geld verlangte aber uns dafür auch durch die dunkelsten Ecken führte und alle Äffchen zeigte.
Und natürlich gab es auch hier wieder ein paar Viecher zu begutachten, die ihrer afrikanischen Dimension alle Ehre machten. Hier ein für Afrika noch eher kleiner (ca.8cm) Tausendfüßler:
In dem Garten roch es auch ganz prima, weil da auch Bäume standen, aus denen Parfum oder Räucherkerzen gemacht werden. Einer von diesen hatte ganz große Blüten
und noch größere Früchte, weswegen er „Kanonenkugelbaum“ hieß. Bemerkenswert waren außer den vielen Pflanzen (unter anderem Kakaobaum, Mahagoni und Baumwolle) die Massen von Falken, die überall herumflogen und saßen. Beängstigend waren die „Safari-Ants“, also Reise-Ameisen. Diese Ameisen sind verdammig groß (mindestens 1cm) und bauen ihre eigenen Straßen! Also nicht, dass dort eine Ameisenstraße wäre, weil dort am laufenden Band Ameisen durch die Natur spazieren. Nein, diese Ameisen bauen aus „mudd“ (entschuldigung, mir fällt das richtige deutsche Wort nicht ein. Es ist so etwas wie Motter) eine richtige kleine Straße. Außerdem sind sie auch gefährlich. Wenn man auf die Straße tritt drehen sie komplett durch, bekrabbeln den Eindringling und beißen ganz gemein zu. Außerdem sind sie nur schwer zu töten. Wenn man auf die draufhaut kann es gut sein, dass der Körper abfällt, aber der Kopf mit seinen Zangen in der Haut stecken bleibt. Später auf den Inseln wurde uns die Geschichte erzählt, dass die einem Mädchen passiert war, weil sie bei einer Dschungelwanderung nicht aufgepasst hatte, wo sie hingetreten war. In Panik war sie losgerannt und hatte um sich geschlagen, wobei sie sich gleichzeitig alle Kleider auszog, weil da ja die Ameisen drin waren. Als sie sich schließlich vollkommen nackt ausgezogen hatte, erreichte sie eine Straße, auf der ihr ein LKW entgegenkam. Der Fahrer hielt an, weil sie so panisch herumzuckte und begann sogleich hilfreich die Ameisen auf ihr tot zu schlagen. Da er es bei dieser netten Geste beließ und keine naheliegende Belohnung verlangte ging die Geschichte dann doch noch relativ gut aus. Uns war sie beim Abendbrot jedenfalls einen krätigen Lacher wert. Unser Guide im Garten meinte, wenn man es mit richtig vielen Safari-Ants zu tun hätte könnten sie einen töten. Aber das könnte ungefähr so wahr sein wie die Geschichte, dass sieben Hornissenstiche ein Pferd töten…
Nach unserem botanischen Ausflug machten wir uns endlich auf zu unserer Fähre. Ich wurde positiv überrascht (auf dem See ist schon eine Fähre gesunken), denn die Fähre war wirklich in gutem Zustand und es hatten schon einige Autos und ein LKW auf Platz gefunden.
Bei den vielen Ständen und dem Markt am Ufer deckten wir uns noch schnell mit Brot, Wasser und Bananen ein. Dabei passierte mir malwieder eine skurrile Geschichte. Während wir unsere Bananen kauften trat eine Frau an mich heran und sagte, sie wolle unser Wasser haben. Als wir verneinten meinte ihr, wir sollten ihr dann gefälligst eine Limonade kaufen, sie bräuchte jetzt eine Limonade. Ich erklärte ihr, dass ich es mir kaum leisten könne, jedem der es von mir fordert eine Limonade zu schenken. Immerhin standen wir auf dem Markt. Wenn sie Geld brauchte hätte sie mir gerne ihre Bananen anbieten können, sie machte aber keine Anstalten dieser Art sondern forderte nur die ganze Zeit, ich sollte ihr jetzt eine Limonade geben. Die anderen Leute auf dem Markt lachten lauthals, ich konnte aber nicht deuten ob über mein überrascht-wütendes Gesicht oder ihr Gezeter. Als wir den Markt endlich verließen rief sie mir hinterher, dass sie mich gefälligst schämen solle. Tat ich dann auch kurz. Heute fällt mir das aber nicht mehr ein. Geschichten darüber, wie unfreundlich die Menschen hier mitunter etwas von „den Weißen“ verlangen können habe ich am Wochenende genug gehört…
Ansonsten bereitete mir der Hafen aber schon richtig Vorfreude auf die dreistündige Überfahrt- endlich Wasser! Und so verbrachte ich die ganze Fahrt damit, mich auch dem Deck, mit meiner Musik in den Ohren ordentlich von der Sonne verbrennen zu lassen und ein paar Fotos zu schießen.
Von diesen einsamen Wasserpflanzen schwammen hunderte auf unserer Fahrt entgegen. Sie dienen auch den vielen kleinen Seevögeln als Mini-Inseln, auf denen sie sich vom Fischen ausruhen. Auf dem Boot trafen wir Assuf, der über Äthiopien aus Israel angereist war und uns ein neues Kartenspiel beibrachte und auch Pim aus den Niederlanden, der die letzten Tage vor seiner Abreise in Ruhe auf dem Inseln verbringen wollte. Als wir diese endlich erreichten waren wir alle sofort hin und weg:
Für unsere Sicherheit war offensichtlich auch gesorgt…
sodass wir uns ganz Sorgenfrei auf den Weg zu dem sagenumwobenen „Camp Hornbill“ machten. Dieser nur 300m vom Anlegeplatz der Fähre entfernte Campingplatz wurde uns schon vorher von allen möglichen Reisenden und von unserem Touristenführer angepriesen. Er wird von einem ziemlich alternativen Deutschen Paar geführt, das das Insel-Grundstück schon 1994 gekauft hat und einen großen Hund namens Shaka Zulu und ein prima rosa Schweinchen besitzt, das G.W. Pig heißt- und zu Ostern geschlachtet wird. Die beiden Besitzer leben mit auf dem Campingplatz, in einer ähnlichen Holzhütte („Banda“) wie der, in der wir unsere erste Nacht verbrachten:
Der Platz liegt direkt am See, „mitten“ im Wald und ist unheimlich ruhig- perfekt um mal ein paar Tage wirklich überhaupt gar nichts zu machen- außer ein bisschen Urlaub natürlich…Das gingen wir dann natürlich auch sofort unter größter Anstrengung an, indem wir uns an den Strand setzten und den Himmel bestaunten. Tatsächlich gelang es mir, ein ugandisches Gewitter der ganz besonderen Art in einem Mini-Film einzufangen. Und wenn Uganda vielleicht doch nicht die meisten Gewitter der Welt hat- die schönsten hat es allemal!
...dient der Beschreibung meines Daseins fern der Heimat und der Hoffnung mit dieser unter Umständen sogar etwas auszusagen.
...und wahrscheinlich anderen kleinigkeiten die einer hemmungslosen selbstdarstellung vorschub leisten.
Temporäres Lieblingszitat
Wir spüren es unter unserer Haut
wie sich die Zukunft in den Winkeln unserer Körper staut
Hier wo die Zeit still steht
während die Welt sich dreht
mitten im Herz des Wirbelsturms
können wir das leise Zittern fühlen
das die Luft um uns erfüllt
für einen endlosen Moment
wenn man im Atmen innehält
Kante, "Wenn man im Atmen innehält"
aufgeschnapptes
The faster you go, the fast you go!
(Je schneller du fährst, umso schneller gehst du!)
Warntafel in Kampala
An alle, die mir gerne antworten wollen. Meebo, also das weiße Feld hierunter überträgt maximal 1025 Zeichen am Stück an mich!!! Damit längere Nachrichten vollständig ankommen, nutzt am besten die Kommentarfunktion neben jedem Einzelnen Beitrag oder schreibt mir eine Email.
Außerdem wäre es gut, wenn ihr euren Namen unter Euren Beitrag schreibt, wenn ihr den Meebo-Messanger nutzt, damit ich nicht am schreibstil den Verfasser erraten muss. Danke und entschuldigung für alle Nachrichten, die nur zur Hälfte angekommen sind.