Guluckgluck.
Ich fahre Morgen früh um acht mit dem Bus nach Gulu.
Dort werde ich an einem Seminar der VPRS (Vistims Participation and Reparation Section- Abteilung für Opferpartizipation und- reparation) des Internationalen Strafgerichtshofes teilnehmen, das über Partizipationsmöglichkeiten von Opfern aufklärt. Ich bin schon sehr gespannt auf die Busfahrt! Natürlich werde ich euch davon berichten, wenn ich am Freitag wiederkomme. Um euch nicht zu beunruhigen schreibe ich jetzt auch nicht, dass die Bundesregierung von Fahrten in den Norden Ugandas abrät und dass man den Norden vor zwei Jahren sicherheitsbedingt auch wirklich noch nicht bereisen sollte. Aber mir wurde von allen Seiten versichert, dass es dort nun sicher ist und sehr interessant, weil man dort sehr viele Flüchtlingslager sieht und einen Eindruck davon bekommt, was ein Krieg bedeutet. Auch Tina war dort und sagte, es sei in Gulu sehr schön. Also: Keine Sorgen machen.
Letzen Freitag hat hier doch tatsächlich der nicht-existente Öffentliche Nahverkehr gestreikt! Um euch nochmal den Zustand der Matatus in Erinnerung zu rufen: Viele klappern unaufhörlich, der Kofferraum ist manchmal nur notdürftig zugebunden, damit er während der Fahrt nicht aufspringt, die Matatus sind oft überladen und man fragt sich häufig, ob der Fahrer nicht verdächtig jung sei…
Aus diesen und anderen Gründen hat die Polizei in letzter Zeit verstärkt Matatus kontrolliert und aus dem Verkehr gezogen. Was die Matatufahrer wohl ausgesprochen unangebracht fanden. Deswegen haben sie spontan einen eintägigen Streik ins Leben gerufen und ihre Fahrzeuge stehen gelassen. Dem nicht genug wollten sie natürlich nicht, dass es irgendeinen Alternativtransport gibt, weswegen die Matatufahrer sehr engagiert und laut johlend auf jeden Boda- und Taxifahrer mit Stöcken und Steinen losgegangen sind. Ich selbst fand mich in einer solchen Gruppe „Aktivisten“ wieder, während ich zur Arbeit lief (was wirklich anstrengend war und die Alten Leute und jene mit viel Gepäck die gestrandet am Straßenrand standen konnten einem nur Leid tun.) Es war schon etwas beängstigend.
Bilanz: 1 Toter, 100 Verletzte und ein in brand gesteckter Bus, der nach Gulu fahren wollte (das ist Zufall).
Am nächsten Tag sah die Stadt aber schon wieder aus, als währe nie etwas passiert.
Dies nur kurz als Zwischenmeldung von hier unten. Ich muss jetzt noch meine Sachen packen und bin schon ziemlich aufgeregt. Am besten erreicht ihr mich in der nächsten Woche über das Telefon. Wahrscheinlich gibt es in Gulu auch Internet, aber ich weiß nicht, wie gut das ausgebaut ist und wieviel Zeit ich neben dem Seminar habe, mich mit Emails zu beschäftigen.
Ich drücke Euch.
Sine.

liebe Gesine, vielen Dank für deinen lustigen Bericht., wurde gerade für die Kinder gedruckt. Verena ist das alles zu „hoch“- verständlich. deine uneindeutig zweideutigen Bemerkungen sind seltsam.Wir werden auf alle Fälle beten (soweit man diesen Begriff als Atheist verwenden dar -fällt dir was anderes ein?, dass du wieder heil in deiner Heimat Kampala landest und keiner dein Matatu anzündet… . Das mit dem Fahrgeld habe ich nicht ganz begriffen – ist das ein Rest von der Weltuntergangs- Heimwehphase, die du natürlich lange hinter dir gelassen hast?
Warum bist du nicht mehr so oft an der UNI, wie früher? Warum war Nelli o.ä. 7 J in Kanada? Wie kommt Rose zu einem Mann aus Schwerin? Nun muss ich mit Axel zum Fußballtraining, will dann ne Runde zum Ganschendorfer See laufen, damit ich nicht 2x fahren muss. Karsten hat ihn ja sonst immer auf dem Rückweg mitgebracht.
Ich kann mich erinnern, wie die Mutti von meiner Freundin Daggi mal geschimpft hat, weil ich trotz Husten hochschwanger im See schwimmen gegangen bin – alsa muss ich wohl früher auch mal erkältet gewesen sei. Das beste ist außerdem viel schlafen!
Alles Gute, vor allem viel Gute Laune, aber ohne viel feiern – wenn man krank ist. Deine Mutti