Und ich dachte Spirulina schmeckt abartig…

Óla! Wiedermal eine kurze Zwischenmeldung aus dem schwarzen Kontinent. Derjenige der diesen Begriff geprägt hat muss übrigens einen sehr sehr sehr starken Sonnenstich oder eine von diesen all-round-Burkas (an)gehabt haben- schwarz währe nun wirklich die letzte Farbe, die mir zu diesem Kontinent (wenn ich das mal so verallgemeinernd sagen darf [P.s. Nicht vergessen, Afrika ist KEIN Land, sondern ein Kontinent mit 53 Ländern (so viele sind jedenfalls in der Afrikanischen Union), die man natürlich alle in ihrer Einzigartigkeit differenziert betrachten muss! (genug geklammert)]. Schwarz währe also jedenfalls die letzte Farbe, die mir zu meinen Erfahrungen hier einfallen würde.

Heute schreibe ich mal wieder einfach so einen bunten Mischmasch drauflos.

Zunächst einmal lade ich für alle, die unter Zuhilfenahme verschiedenster globaler Satellitenüberwachungsprogramme verzweifelt versucht haben, meinen Standpunkt ausfindig zu machen zwei schöne Karten von Kampala hoch, die ich noch ein wenig persönlich verschönert habe, sodass sie auch ja nicht zu anspruchslos erscheinen.

Auf der ersten seht ihr fast ganz Kampala, auf der zweiten nur unseren Stadtteil. Von meinem Studentenwohnheim (Akamwesi Hostel) bis zu meiner Arbeit brauche ich mit dem Matatu übrigens ungefähr eine Stunde, weil auf der Strecke meistens Stau ist und einige abartige Schlaglöcher (jeweils zwischen zwei Verkehrberuhigungshügeln, die das Profil der Buschmühler Dorfstraße quer über die Straße imitieren) Klassentreffen feiern. Auf dem Rückweg hat mich heute glücklicherweise meine Chefin (die sehr nett ist, hier aus Uganda stammt und Rose heißt) mitgenommen. Und jetzt dürft ihr dreimal raten, woher ihr Freund kommt:

  1. Uganda

  2. Canada

  3. Schwerin

Tja. Klingt komisch, ist aber so. Das schönste daran ist aber eigentlich, wie Rose „Schwerin“ ausspricht, da geht einem das Herz auf. Ich fang’ gleich an zu heulen :) . Auch „Friedrich-Ebert-Stiftung“ und „Verpflichtungserklärung“ waren die schönste Musik in meinen Ohren (etwa so wie der Jugendchor des Goethe-Gymnasiums-Demmin von 1999).

Rose hat mir aber auch anderweitig weiter geholfen (jedenfalls möchte ich das gerne glauben). In den letzten Tagen war/bin ich ziemlich krank. Von einer richtig starken Erkältung und leichtem Fieber ist mir in den letzten Tagen aber nur noch ein menschenunwürdiger Husten und da bedrückende Gefühl, ständig zu wenig Luft zu kriegen erhalten geblieben. Nachdem Rose (wie auch meine liebe Mama am Telefon) mich immer wieder darauf hingewiesen hat, dass ich ordentlich inhalieren, viel trinken und mir Ruhe gönnen und mal zum Arzt gehen sollte (was ich immer noch nicht gemacht habe und wahrscheinlich auch nicht machen werde), hat sie mir heute dieses tolle ugandische Naturmittel empfohlen. Und da mir auch Noah das schon ans Herz gelegt hatte und Rose mir hilfsbereit den Namen aufschrieb, den ich mir sonst niemals hätte merken können UND weil das zeug nur gut 80cent kostet, hab ich es glatt mal gekauft.

Tadaaa:

Das Zeug heißt Muwummuza und ist, wie man auf der Rückseite lesen kann, sehr

hilfreich. Und zwar bei allen allgemeinen Erkältungen, unter anderem: Grippe, Husten, Sinus (Hääh?), Asthima (hihi), Katarrh (sicher auch in Katar), Keuchhusten und anderen allergischen Zuständen. Und dabei rein „homöopathisch“ mit Kräuterformel: Wabugia (keine Ahnung), Bulamu (auch nicht), Capuscum (nö, auch nicht), Campher (Aha!), Eukalyptusöl, Aloe-Vera-Saft, Wilde-Beeren-Saft, Honig, Brauner Zucker, destilliertes Wasser. Wollt ihr wissen, wie dieses rotbraune Gebräu, von dem ich nun 3 mal 2Teelöffel pro Tag in mich reinschütten muss um zu genesen und auf diesem Wege meinen Liebsten zu beruhigen, schmeckt? Schaut auf die Überschrift dieses Beitrages. Das Zeug riecht so, wie die Sachen, die man bei uns zum Inhalieren nutzt und welche mit der dicken Aufschrift „Nur zur äußerlichen Anwendung!“ versehen sind (also wie handelsüblicher Erkältungsbalsam oder japanisches Heilöl). Und schmecken tut das ganze so sauer, wie Sambal Oleg scharf ist, gemischt mit japanischem Heilöl. Hmmmmm. Also wenn das Zeug so gesund macht, wie es eklig schmeckt heiße ich ab heute Siegfried-Achill-Clark-Peter-Logan (so wollte ich schon immer heißen). Und wenn ich daran tatsächlich nicht sterbe, dürfen alle die ich besuche, wenn ich zurück bin zwangsweise davon probieren (Tja, ich kann mir die Fahrtkosten, die ich nun schon so viele Leuten in meinem Heimweh-emotionalisierten Zustand versprochen habe nun wirklich nicht leisten und warte auf Eure bedauernden Absagen).

Für den Fall, das mir dieser Hustensaft, für den mir keine hinreichend ekligen Namen mehr einfallen nicht hilft habe ich mir aber in letzter Zeit ein paar Freundinnen zugelegt, die mich dann hier beerdigen und euch benachrichten, wenn sie sich durch mein deutschsprachiges Handy wurschteln können. Vane kenne ich aus meiner Vorlesung über Orale Literaturen (von der ihr immer schlecht wird), wobei sie zusätzlich mit mir zusammen im Akamwesi Hostel wohnt. Sie studiert im Hauptfach Politik und ist meiner Meinung nach ganz umwerfend hübsch und cool. Außerdem kommt sie aus Kenia, was mir regelmäßig hilft mein Selbstbewusstsein aufzubauen, wenn sie mit ihren Eltern telefoniert und ich tatsächlich ein paar Bröckeleinchen von ihrem Swahili verstehe. Was mich allerdings absolut überzeugt hat ist, dass sie Rockmusik hört und nicht, wie sonst offenbar 99,9% meiner Mitbewohner Rhythm& Blues. Übrigens kann ich ohne Übertreibung behaupten, dass alle Uganderinnen (und auch die Kenianerinnen), die ich bisher singend angetroffen habe (was hier oft passiert, da hier viele Leute (Auch die Männer), wenn sie die Straße entlang laufen, irgendwo warten oder etwas ähnlich anspruchsloses machen einfach anfangen zu singen) einfach umwerfend schöne und dabei absolut natürlich klingende Stimmen haben. Ich wollte es nur lange nicht schreiben, weil es mir zu sehr nach einem Klischee klingt, aber irgendwo müssen Klischees ja auch herkommen. So. Jetzt muss ich mich kurzfassen, weil ich nur noch Geld für 20Minuten Internetcafé habe. Vane hat noch eine tolle Freundin, die Nelly heißt und schonmal sieben Jahre in Kanada gewohnt hat, aber ursprünglich aus uganda kommt und nun auch wieder hier studiert. Wir drei werden wahrscheinlich in nächster Zeit mal zum Klamottenkaufen losziehen. Für Freitag und Samstag musste ich schon versprechen, dass wir ordentlich durch die Clubs ziehen gehen. Afrikanische Mädels können so überzeugend sein…

Und wer bis hierhin durchgehalten hat, wird doch glatt noch mit Fotos vom Campus belohnt:

Das Hauptgebäude mit den Marabus, die hier von den meisten auch „Studenten“ genannt werden, weil sie ständig auf dem Campus rumhängen:

Und hier die Guild Canteen,

in der ich sehr häufig Essen war, als ich noch öfter an der Uni war. Da gibt ein tolles Buffett, bei dem man sich für 1Eure den Teller bis über den Rand vollstapeln kann. Natürlich nur local food (also „traditionelles“ Afrikanisches Essen), aber das schmeckt herrlich, wenn man sich mal daran gewöhnt hat. Nur die Fischköpfe würde ich nichteinmal probieren, wenn ich kein Vegetarier wäre!

Und noch einen Blick über Kampala vom Gebäude der Registratur, das aussieht und genauso wirkt wie „DAs Haus das Verrückte macht“ bei Asterix und Obelix.

Tschüssi!

Das Hustenhuhn.

~ von Sine am 9 April, 2008.

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