Reif für die Inseln (Teil1)
Letztes Wochenende haben wir einen Mini-Urlaub auf den Ssese-Inseln verbracht. Diese liegen im Victoriasee und sind von Entebbe mit der Fähre innerhalb von drei Stunden zu erreichen. Wie uns der Besitzer von dem Hostel sagte, bei dem wir von Freitag auf Samstag in Entebbe übernachteten sei die Fähre das einzige, was in Uganda immer pünktlich sei. Da die Fähre also erst am Samstag 14:00Uhr in See stach verbrachten wir den Freitag Abend damit, unser geliehenes Zelt aufzubauen,
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um dann mit Jasna, einer sehr netten Belgierin ihren letzten Abend in Uganda zu verbringen. Dem Anlass angemessen gingen wir am Strand des Sees eine Pizza essen. Pizza ist hier in Uganda ziemlich teuer und nicht so einfach zu kriegen. Eine Pizza kostet im Schnitt 14000 Shilling (was wahrscheinlich auch daran liegt, dass Käse darauf ist- 100g Käse können hier schnell mal 2€ kosten), was bei dem derzeitig ganz tollen Wechselkurs etwa 5,40€ sind. Also für deutsche Verhältnisse natürlich nicht viel, aber in Uganda bekomme ich dafür in der Uni 5einhalb wirklich sättigende Mittagessen!
Dafür war die Dämmerungsstimmung am See aber einfach unschlagbar, genauso wie die vielen „Dudus“- dämliche Insekten die wie der Teufel auf Licht gehen und nichts weiter machen als höllisch zu nerven, weil sie einem auch gerne ins Gesicht fliegen, was beim Essen etwas hinderlich sein kann.
Nach unserem dekadenten Mahl brachten wir Jasna zum Flughafen, wo mir ganz mulmig wurde, weil ich so langsam auch mal Lust auf einen kurzen Heimurlaub hätte. Nur mal eine Woche nach Haus und dann wieder zurück, das wäre ganz groß…
Am Flughafen, der auf mich plötzlich einen unheimlich modernen Eindruck machte, weil ich mich schon so gut an die Baufälligkeit der meisten Gebäude hier gewöhnt habe, war die moderne Glasfensterfront geschlossen mit toten und lebenden Dudus bedeckt, die im Dunkeln von dem hellen Licht des Flughafens angezogen wurden. So verabschiedeten wir Jasna und fuhren zurück zu unserem Zelt, das wir gewählt hatten, weil in dem Hostel kein Zimmer mehr frei war. Ich war ziemlich aufgeregt- Zelten in Afrika!- aber dann letztendlich doch recht schnell eingeschlafen, weil der Tag, mit der 1stündigen Matatu-Fahrt von Kampala nach Entebbe und der Uni von 7-12 Uhr doch recht ermüdend gewesen war. Die ganze Nacht hindurch brüllte allerdings von Nachbargrundstück eine Kuh herüber, was mich, wenn ich aufwachte immer wieder zum Schmunzeln brachte.
Am nächsten Morgen besuchten wir vor unserer Abfahrt zu den Inseln noch den Botanischen Garten in Entebbe, der wirklich unheimlich groß ist und in dem natürlich viele viele Pflanzen stehen. Wir hatten einen ganz guten Führer, der im Nachhinein zwar ein bisschen viel Geld verlangte aber uns dafür auch durch die dunkelsten Ecken führte und alle Äffchen zeigte.
Und natürlich gab es auch hier wieder ein paar Viecher zu begutachten, die ihrer afrikanischen Dimension alle Ehre machten. Hier ein für Afrika noch eher kleiner (ca.8cm) Tausendfüßler:
In dem Garten roch es auch ganz prima, weil da auch Bäume standen, aus denen Parfum oder Räucherkerzen gemacht werden. Einer von diesen hatte ganz große Blüten
und noch größere Früchte, weswegen er „Kanonenkugelbaum“ hieß. Bemerkenswert waren außer den vielen Pflanzen (unter anderem Kakaobaum, Mahagoni und Baumwolle) die Massen von Falken, die überall herumflogen und saßen. Beängstigend waren die „Safari-Ants“, also Reise-Ameisen. Diese Ameisen sind verdammig groß (mindestens 1cm) und bauen ihre eigenen Straßen! Also nicht, dass dort eine Ameisenstraße wäre, weil dort am laufenden Band Ameisen durch die Natur spazieren. Nein, diese Ameisen bauen aus „mudd“ (entschuldigung, mir fällt das richtige deutsche Wort nicht ein. Es ist so etwas wie Motter) eine richtige kleine Straße. Außerdem sind sie auch gefährlich. Wenn man auf die Straße tritt drehen sie komplett durch, bekrabbeln den Eindringling und beißen ganz gemein zu. Außerdem sind sie nur schwer zu töten. Wenn man auf die draufhaut kann es gut sein, dass der Körper abfällt, aber der Kopf mit seinen Zangen in der Haut stecken bleibt. Später auf den Inseln wurde uns die Geschichte erzählt, dass die einem Mädchen passiert war, weil sie bei einer Dschungelwanderung nicht aufgepasst hatte, wo sie hingetreten war. In Panik war sie losgerannt und hatte um sich geschlagen, wobei sie sich gleichzeitig alle Kleider auszog, weil da ja die Ameisen drin waren. Als sie sich schließlich vollkommen nackt ausgezogen hatte, erreichte sie eine Straße, auf der ihr ein LKW entgegenkam. Der Fahrer hielt an, weil sie so panisch herumzuckte und begann sogleich hilfreich die Ameisen auf ihr tot zu schlagen. Da er es bei dieser netten Geste beließ und keine naheliegende Belohnung verlangte ging die Geschichte dann doch noch relativ gut aus. Uns war sie beim Abendbrot jedenfalls einen krätigen Lacher wert. Unser Guide im Garten meinte, wenn man es mit richtig vielen Safari-Ants zu tun hätte könnten sie einen töten. Aber das könnte ungefähr so wahr sein wie die Geschichte, dass sieben Hornissenstiche ein Pferd töten…
Nach unserem botanischen Ausflug machten wir uns endlich auf zu unserer Fähre. Ich wurde positiv überrascht (auf dem See ist schon eine Fähre gesunken), denn die Fähre war wirklich in gutem Zustand und es hatten schon einige Autos und ein LKW auf Platz gefunden.
Bei den vielen Ständen und dem Markt am Ufer deckten wir uns noch schnell mit Brot, Wasser und Bananen ein. Dabei passierte mir malwieder eine skurrile Geschichte. Während wir unsere Bananen kauften trat eine Frau an mich heran und sagte, sie wolle unser Wasser haben. Als wir verneinten meinte ihr, wir sollten ihr dann gefälligst eine Limonade kaufen, sie bräuchte jetzt eine Limonade. Ich erklärte ihr, dass ich es mir kaum leisten könne, jedem der es von mir fordert eine Limonade zu schenken. Immerhin standen wir auf dem Markt. Wenn sie Geld brauchte hätte sie mir gerne ihre Bananen anbieten können, sie machte aber keine Anstalten dieser Art sondern forderte nur die ganze Zeit, ich sollte ihr jetzt eine Limonade geben. Die anderen Leute auf dem Markt lachten lauthals, ich konnte aber nicht deuten ob über mein überrascht-wütendes Gesicht oder ihr Gezeter. Als wir den Markt endlich verließen rief sie mir hinterher, dass sie mich gefälligst schämen solle. Tat ich dann auch kurz. Heute fällt mir das aber nicht mehr ein. Geschichten darüber, wie unfreundlich die Menschen hier mitunter etwas von „den Weißen“ verlangen können habe ich am Wochenende genug gehört…
Ansonsten bereitete mir der Hafen aber schon richtig Vorfreude auf die dreistündige Überfahrt- endlich Wasser! Und so verbrachte ich die ganze Fahrt damit, mich auch dem Deck, mit meiner Musik in den Ohren ordentlich von der Sonne verbrennen zu lassen und ein paar Fotos zu schießen.
Von diesen einsamen Wasserpflanzen schwammen hunderte auf unserer Fahrt entgegen. Sie dienen auch den vielen kleinen Seevögeln als Mini-Inseln, auf denen sie sich vom Fischen ausruhen. Auf dem Boot trafen wir Assuf, der über Äthiopien aus Israel angereist war und uns ein neues Kartenspiel beibrachte und auch Pim aus den Niederlanden, der die letzten Tage vor seiner Abreise in Ruhe auf dem Inseln verbringen wollte. Als wir diese endlich erreichten waren wir alle sofort hin und weg:
Für unsere Sicherheit war offensichtlich auch gesorgt…![]()
sodass wir uns ganz Sorgenfrei auf den Weg zu dem sagenumwobenen „Camp Hornbill“ machten. Dieser nur 300m vom Anlegeplatz der Fähre entfernte Campingplatz wurde uns schon vorher von allen möglichen Reisenden und von unserem Touristenführer angepriesen. Er wird von einem ziemlich alternativen Deutschen Paar geführt, das das Insel-Grundstück schon 1994 gekauft hat und einen großen Hund namens Shaka Zulu und ein prima rosa Schweinchen besitzt, das G.W. Pig heißt- und zu Ostern geschlachtet wird. Die beiden Besitzer leben mit auf dem Campingplatz, in einer ähnlichen Holzhütte („Banda“) wie der, in der wir unsere erste Nacht verbrachten:
Der Platz liegt direkt am See, „mitten“ im Wald und ist unheimlich ruhig- perfekt um mal ein paar Tage wirklich überhaupt gar nichts zu machen- außer ein bisschen Urlaub natürlich…Das gingen wir dann natürlich auch sofort unter größter Anstrengung an, indem wir uns an den Strand setzten und den Himmel bestaunten. Tatsächlich gelang es mir, ein ugandisches Gewitter der ganz besonderen Art in einem Mini-Film einzufangen. Und wenn Uganda vielleicht doch nicht die meisten Gewitter der Welt hat- die schönsten hat es allemal!

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