Einmal Südhalbkugel bitte! (Teil 2)
Auf der restlichen Fahrt nach Mbarara am letzten Wochenende habe ich, dank der durch den vorherigen Schreck gefundenen Ruhe sogar ein bisschen im Auto schlafen können (das heißt immer von Verkehrsberuhigungshügel zu Verkehrsberuhigungshügel). Die meiste Zeit über bewunderten wir die tolle Landschaft, deren Wirkung, wie ich fürchte auf den Folgenden Fotos aber leider verloren gegangen ist…
Da die Gegend um Masaka der Herkunftsort der Matooke, also der Kochbanane ist, die von dort aus täglich auf Lastwagen nach Kampala transportiert wird, trifft man sehr häufig auf dieses Bild:
Meiner Meinung nach wirkt die Befestigung der Ladung ja nicht wirklich so, als wenn sie eine deutsche Verkehrskontrolle überstehen würde, oder? Die vielen liegen gebliebenen LKW, die ihre Ladung über die ganze Straße verteilt hatten, sodass diese nun von allen anderen Autofahrern unter deren „Sorry, sorry“-Rufen zu Matookebrei verarbeitet wurden, gaben mir diesbezüglich jedenfalls immer wieder recht. Allerdings kommen diese LKW größtenteils unbeschadet an ihrem Ziel an, denke ich, denn so eine Staude Kochbananen ist so schwer, dass ich sie nicht alleine Anheben kann, wodurch die Ladung schon von allein auf der Ladefläche fest gedrückt werden dürfte.
Kurz bevor wir in Mbarara- dem Ort unserer Bestimmung- einfuhren, fing ich diese Bilder ein:
Als ich die Bilder aufnahm fand ich einfach diese Ansammlung von Leuten interessant. Ich dachte, dass dort vielleicht irgendein Turnier stattfände. Auf dem Rückweg erzählte uns Gerald aber, dass das Baracken wären und die Leute (die alle ziemlich jung wirkten) Soldaten. Ich kann mir jetzt im nachhinein zwar keinen Reim auf die Frauen dort machen, denn ich denke nicht, dass die ugandische Armee Frauen anstellt. Ich glaube in Uganda gibt es keine Wehrpflicht. Aber die Armee kann immerhin mit geregelten Mahlzeiten und etwas Prestige aufwarten, weswegen dort genug Leute freiwillig hingehen.
Gegenüber der Baracken liegt übrigens eine Coca-Cola Fabrik.
Die macht hier wahrscheinlich sehr guten Umsatz, denn Limonaden kriegt man hier wirklich überall, auch noch in den kleinsten Dörfern. Es gibt sie hier in 300ml Glasflaschen mit Kronkorken, die von den Kellnern immer bedächtig selbst geöffnet werden. Jeder Kellner hat hier seinen ganz persönlichen Flaschenöffner. Die Limonaden sind auch nicht teuer, an der Uni kostet eine 600shs, also 24cent. Eine 300ml Cola Light kostet allerdings 2000shs, wenn man sie überhaupt bekommt. Eigentlich ist hier so ziemlich alles, was ganz fix dick macht ziemlich billig. Keine guten Voraussetzungen für meine immer währenden Abnehmpläne also.
Von Mbarara selbst habe ich nur sehr wenige Bilder:
Mbarara ist das Zentrum der sogenannten Ankole-Rinder. Deswegen ist eine Skulptur eines solchen auch gleich bei der Einfahrt in die Stadt zu sehen. Die echten sind allerdings viel beeindruckender, wie ihr später noch sehen werdet.
In Mbarara haben wir uns erstmal ein Hostel gesucht. Und gleich etwas neues gelernt. Wenn man ein paar schwarze Freunde hat, sollte man als weißer vor dem Hostel warten, bis der Preis für das Zimmer feststeht. Im ersten Hostel wurde uns, nachdem die Besitzer einen Blick auf uns erhascht hatten Zimmer für 50000 oder 70000Shilling pro Nacht und Person angeboten.
Nachdem Gerald und Williams uns angewiesen hatten, im Auto zu warten bekamen wir im zweiten Hostel das Zimmer für 10000 Shilling pro Nacht und Person. Dafür hatten die da in der Rezeption dann auch noch eine ganz tolle Wanddekoration „Aufstieg und Fall Präsident Husseins“
.
Nachdem wir unsere Lasten abgeladen hatten fuhren wir einen Freund von Gerald besuchen. Der wohnte, wie viele Afrikaner die „pretty well off“ (Zitat Gerald) oder „ziemlich wohlhabend“ sind in einem einstöckigen, von einer hohen Mauer umgebenen Haus. Wie Daniel treffend feststellte muss man in Afrika aber wohl ziemlich trinkfest sein, um sein Haus effektiv gegen Eindringlinge sicher zu können:
Falls ihr es nicht erkennen könnt: das sind alles Schwerben von Bierflaschen, die die Mauer sichern.
Nachdem wir dort also ein bisschen fern gesehen, mit der kleinen 9monate alten Tochter gespielt und getrunken hatten fuhren wir noch zünftig essen (es hab drei große Teller Ziegenfleisch für die Runde, dazu (und für mich ausschließlich) Kochbanane) fühlten wir uns nach unserer 5stündigen fahrt alle müde genug, um den Tag in den weichen Betten des billigen Rutinda Hostels abzuschließen.
Der folgende Tag war ein wahres Ereignis. Oder eher das genaue Gegenteil. Denn die Devise hieß: Wie bringen wir die Zeit bis 6Uhr abends am besten rum? 6Uhr fand nämlich die für die fußballbegeisterten Afrikaner lebenswichtigen Spiele der Englischen Liga statt und bis dahin gab es nicht zu tun außer Bier trinken (die Männer begannen 9Uhr morgens!!!) Billiard spielen und essen.
Nachdem ich diesen Tag hinter mich gebracht hatte ohne vor Langweile zu sterben wurde ich mit einem ausflug in die örtliche Disko belohnt. Daniel war zu diesem Zeitpunkt schon weg vom Fenster und erliedigt (betrunken?) in die Kissen gesunken. Also zog ich alleine Mit Gerald und Williams los. Und es machte wirklich Spaß, obwohl es mit der Zeit schon sehr anstrengend wird zu dem immer gleichen Rhythmus afrikanischer Musik zu tanzen. Bevor sie mich nach unserem glorreichen Tanzabend ins Bett entließen erzählten mir Gerald und Williams dann noch, dass sie prophylaktisch allen erzählt hatten, ich sei Geralds Frau- und ich hatte mich schon gewundert, dass ich nicht von allen Seiten angemacht wurde…
Da wir ja auf der Südhalbkugel waren und dazu noch in einer relativ ländlichen Gegend konnte ich das erste Mal auch einen anderen Sternenhimmel genießen. Der sieht schon etwas anders aus als unserer, aber die bekanntesten Sternbilder, wie etwa der große Wagen, Orion oder Cassiopeia sind trotzdem zu erkennen- sie stehen nur alle ein bisschen Kopf.
Unsere Rückfahrt traten wir am nächsten Morgen ausgeruht in der frühe an, mit dem Triumph, dass ich ENDLICH das Foto machen konnte, das ich schon seid mindestens einem Monat versuche einzufangen: Das Afrikanische Ananasfahrrad.
Tadaaaaa!!!
Dieses Exemplar ist zwar leider etwas moderat beladen, aber es vermittelt einen Eindruck von meinem Traumfahrrad. Ananas, wo man nur hinschaut. Und wenn ihr wüsstet wie prima Ananas hier schmecken. Na gut- im Prinzip auch nicht anders als zu Hause, aber sie tendieren eben doch dazu, etwas reifer zu sein und einen niedrigeren Säuregehalt zu haben. Ich kann hier mühelos eine ganze Ananas auf einmal und alleine essen, ohne dass sich das irgendwie negativ bemerkbar macht. (Deswegen mache ich das auch jeden Tag
) Ananas sind ja auch so herrlich billig- nur 40cent für eine Ganze! Außerdem habe ich hier gelernt, wie man sie richtig schält, sodass ich euch, wenn ich wieder zu Hause bin immer den Ananasschäler machen kann.
Auf unserer Rückfahrt machten wir noch einen sehr abenteuerlichen Abstecher in die Pampa, der uns auf dieser Straße 40km ins Landesinnere führte.
Gerald wollte seinen Schwiegereltern die schon erwähnte Solarlampe bringen, denn auf dem Land gibt es kein fließend Wasser und kein Strom, was ich mir beileibe nicht vorstellen möchte. Da ist so eine Solarlampe also sehr nützlich. Die Landschaft um Mbarara war wirklich wahnsinnig interessant für mich, denn ich habe dort das erste mal die Savanne gesehen.
Kurz vor Mbarara liegt außerdem die Gegend des Lake Mburo Nationalparks. Dort gibt es Zebras. Es liefen wohl auch welche durch die Gegend, als wir dort hindurchfuhren, aber wir waren zu schnell, als dass Daniel und ich sie entdecken konnten. Dafür sahen wir entlang der Straßen jede Menge Matookebäume, an denen wir jedoch nie die Stauden hingen sahen. Meiner Meinung nach sahen die Bäume eigentlich nicht so aus, als könnten sie diese schwere Stauden überhaupt tragen. Daniel und ich hatten daher mittlerweile als Arbeitshypothese angenommen, dass Kochbananen auf Fahrrädern und Lastwagen wachsen, aber Gerald hatte versprochen uns auf der Plantage seiner Schwiegereltern das Gegenteil zu beweisen.
Vorerst begaben wir uns aber erst einmal tief in das Gebiet der Ankole-Rinder. Also so richtig richtig tief. Als ich die folgenden Bilder schoss dachte ich einfach nur: „Mama…müssen wir jetzt durch die Kühe?!?“
Beim Haus der Familie angelangt wurden uns Milchtee (die Leute verfügen nicht über große Mengen sauberen Trinkwassers, deswegen benutzen sie Milch, um den Tee zu kochen), Joghurt (den ich nicht probierte, weil ich kein Durchfall haben wollte, aber ich bin ziemlich sicher, dass er auch diesen warmen Kuhgeschmack an sich hat, wie viele Milchprodukte hier), Toast, Margarine und Bananen serviert, die ständig von einem dichten Fliegenschwarm umgeben waren.
Nach unserem Mahl, bei welchen uns Gerald übersetzte, dass seine Schwiegermutter der Meinung sei, dass Deutsche sehr gute Menschen wären (mir fällt die Begründung leider nicht mehr ein), gingen wir den afrikanischen Hof erkunden, was sehr interessant war.
Das Wohnhaus (mit Daniel und Williams).
Die Matookestaude, die ich nicht anheben konnte, mit ein paar Süßkartoffeln.
In diesem Korb wohnen Bienen, die Honig für die Familie produzieren.
Wahrhaftig! Matooke wächst an Bäumen. Pro Baum gibt es allerdings nur eine Staude. Was aber nicht schlimm ist, denn ein Baum braucht zum wachsen inklusive dem Heranreifen einer Staude nur 6 Monate. Auf einer „Plantage“ stehen also immer junge neben „alten“ Bäumen. Ist eine Staude reif wird sie vom Baum geschnitten, wonach dieser dann gefällt und als Dünger über den Boden verteilt wird, während aus seinen Wurzeln schon die neuen Ableger gen Himmel sprießen. Die „Rinde“ von Matooke-Bäumen ist sehr weich, da es eher viele Dünne Lagen von Fasern übereinander sind- man kann einfach ein Loch mit dem Finger hineindrücken, wodurch sofort das Wasser aus dem Baum hinabrinnt.
Das sind „richtige“ Bananen an ihrem Baum. Afrikaner können den unterschied zu Kochbananen erkennen, ich nicht. Jedenfalls nicht, solange sie noch grün sind. Kochbananen sind auch im reifen zustand noch grün.
Der zur Plantage gehörige Werkzeugschuppen. Interessant für alle, die gerne mit natürlichen Materialien bauen und sich was abschauen wollen.
Auf dem Feld wuchsen außerdem noch Passionsfrüchte, oder Marakujas, die ich allerdings nicht so gerne mag- diese hier sind noch nicht reif. Wenn sie reif sind werden sie silbrig-violett und verschrumpeln- wer mag das schon essen?! (Man isst natürlich nur die inneren Kerne und das Fruchtfleisch, nicht die Schrumpelhülle, aber trotzdem…)
Hütten dieser Art können als Küche oder einfach als Lagerraum dienen. Im Hintergrund seht ihr traditionell aufgehängte Wäsche. Wenn man die Wäsche so „aufhängt“ ist die Wahrscheinlichkeit, dass die bösen Fliegen kommen und ihre ekligen Eier da hineinsetzen, die sich dann in die Haut fressen und als fette Larven wieder rauskommen ziemlich hoch- buäh.
In Afrika sind alle Insekten laut, groß und harmlos oder leise, klein und gemeingefährlich. (Ich kämpfe übrigens gerade mit Bettwanzen. Bilanz: 13 Bisse auf dem Bauch, 6 zischen den Fingern der rechten Hand, 10 am rechten Ellbogen, 1 unter dem Nagel des linken großen Zehs. Scheißviecher.)
Zum Abschluss gingen wir im Haus für eine gute Heimreise beten. Was für mich toll war, weil ich das Haus von innen sehen konnte. Der Boden war betoniert und größenteils mit Linoleum ausgelegt. An den kahlen Wänden hingen Fotos von verwandten und vom Präsidenten. In dem Raum in dem wir waren standen 3 Sessel, 1 Tisch und ein Stuhl. Die Wände zwischen Dach und Räumen war keine Decke eingezogen, sodass man direkt auf das Wellblech sah und auch die Balken-Grundkonstruktion des Hauses noch gut ausmachen konnte.
Ich für meinen Teil möchte meine Gebete für eine gute Reise lieber jenen Leuten widmen die täglich so oder ähnlich auf ugandischen Straßen reisen:
Schaut genau hin! Unter der Matooke stehen noch einige Ankole-Rinder!
Diese Leute werden wahrscheinlich in der nächsten Stadt als Straßenhändler arbeiten und werden mit ihrer Wahre (Schuhe, Altkleider etc.) dort hingebracht.
Im laufe der Evolution haben Ankole-Rinder große Hörner entwickelt, damit sie beim Transport einfacher mit Seilen am Aufbau der LKW befestigt werden können- ein Hoch auf Mutter Natur!
Zum Schluss noch ein paar kreuz-und-quer Eindrücke von unserer Fahrt:
Einer der Märkte am Straßenrand, auf denen sich Reisende mit allen erdenklichen Früchten und Schaschlikspießen eindecken können. Die Farbenpracht überwältigt mich jedes Mal wieder- ich kriege gute Laune davon, soviel Obst zu sehen.
Einer von unendlichen vielen Termitenhügeln am Straßenrand.
Werbung ist ein internationales Kulturgut.
Eingang zu einem Kindergarten.
Wie hier stehen in Afrika viele Waren oft „einfach so“ an der Straße herum. Das beeindruckende ist, dass die meiner Meinung nach auch im Dunkeln ungesichert dort stehen bleiben (vielleicht nicht unbedingt die Sessel, aber (Doppelstock)bettgestelle und besonders Baustoffe (Brunnenteile, Ziegel, Fliesen etc.). Ich weiß nicht, ob dort nachts vielleicht doch ein Wächter steht (den man sicher bestechen kann) oder ob Ugander einfach zu bequem sind um komplette Bettgestelle und Baustoffe zu klauen.
(Natürlich steht zur Option, dass Ugander nette Menschen sind, die nicht klauen. Aber Ugander sind auch nur Menschen, also lasse ich diese Option mal eben außen vor.)
Das war also unsere Große Tour in den Westen. Ich denke ich werde es diese Woche noch von unserem Abenteuer auf den Ssese-Inseln zu berichten, das mich gelehrt hat, mein Leben zu mögen. Nächtliche Dschungelgeräusche sind aber sowas von gruselig sage ich euch!
Ich drücke euch alle ganz fest und hoffe ihr habt noch Spaß an meinem Blog.
P.s.: Ich habe im letzten Blog spekuliert, dass der Tilapia-Fisch der gleiche ist wie der Viktoriabarsch. Das stimmt nicht! Der Viktoriabarsch kann bis zu 200kg auf die Waage bringen und ist hier nur sehr selten zu kriegen, weil die Preise die im Export zu erzielen sind viel höher liegen als die auf dem lokalen Markt.
~ von Sine am 13 März, 2008.
Veröffentlicht in mittendrin
Schlagworte: Countryside, Mbarara, Uganda

Mich plagt immermal die Frage: Wie halten die unteren Bananen auf dem LKW die Last der oberen aus, wenn die so schwer sind?
Sicherlich wärest auch du nicht von dem Joghurt gestorben, wenn die anderen ihn auch immer essen.- Man kann ´s auch übertreiben.
Mutti