Begreife das System…
So… nun hatte ich endlich meine erste Vorlesung, nach der sich auch alle uebriggebliebenen Fragen geklaert haben. Entsetzlicher Weise habe ich nun doch ziemlich wenig zu tun hier an der Uni. Der Stundenplan war unterteilt in „Day“ und „Evening“, wobei ich nicht dachte, dass das eine besondere Bedeutung hat- hat es aber. Denn am Abend bzw. Samstag wird einfach nocheinmal das gleiche unterrichtet wie tagsueber. Das heisst, man kann sich eins von Beiden aussuchen und hat dann eine Veranstaltung durchschnittlich dreimal in der Woche. Das heisst ich habe also 12 Stunden Uni in der Woche und nie laenger als bis 17Uhr. Auch Samstag habe ich keine Vorlesungen. Prima. Ich will jetzt versuchen, die Leute vom Masterstudiengang fuer Menschenrechte zu fragen, ob ich mich vielleicht einfach so zum zuhoeren in Veranstaltungen von ihnen setzen kann, denn die Interessieren mich schon sehr.
Meine erste Veranstaltung ging heute nicht so lange, da wie bei uns in der ersten Woche erstmal nur das Programm vorgestellt wird. In meiner Veranstaltung waren wir sechs Leute. Ich glaube das ist der Durchschnitt bei Philosophie und Literaturveranstaltungen hier. Sehr erholsam also gegenueber den 40 die manchmal bei uns drinsitzen. Die Vorlesung behandelt Orale Literaturen, also eigentlich Literatur, die nur gesprochen ist und nicht irgendwo aufgeschrieben. Sowas gibt es hier in Afrika (oder gab) es hier sehr haeufig, da die meisten Ethnien keine Schrift kannten und alles muendlich weitergegeben haben (Maerchen, Raetsel, Sprichwoerter, aber auch ihre Geschichte). Der Professor war sehr locker und hat eine Art zu sprechen, bei der einem das Zuhoeren nicht langweilig wird. Eines unserer Themen wird Trommel-Literatur sein, von der ich auch noch nichts gehoert habe, deswegen wird das sicher interessant. Er hat zur Demonstration was gemeint ist ein paar Rhythmen getrommelt, bis er einen dabei hatte, den die anderen Studenten um mich herum tatsaechlich verstanden haben. Der hiess soviel wie: „Ich will nicht, dass du noch schlaefst“, also „Wach auf!“ und ein anderer hiess wohl „Wir brauchen hier Hilfe.“ Wahrscheinlich sind der Trommelrhythmus und der Sprachrhythmus gleich, aber ich werde das sicher nicht verstehen…oder vielleicht doch, mal sehen. Jedenfalls kann ich mir noch nicht vorstellen, wie man mit einer Trommel Literatur zustande bringen soll. „Steh auf!“ ist ja nicht von vornherein poetisch. Die Zeit wirds zeigen…
Soo…das war erstmal der kurze Zwischenbericht von der Front. Ich habe jetzt gleich noch 2 Stunden Entwicklungsphilosophie und dann noch eine Stunde Zeitgenoessische Afrikanische Philosophie. Und ich freu mich schon drauf. Worauf ich mich nicht freue sind die Klausuren. Fuer jedes Fach schreibt man am Ende des Semesters eine dreistuendige Klausur. Da werde ich ganz schoen viel lernen muessen… aber bis dahin ist es ja noch lange hin.
Also…machts jut soweit!

Hallo Schwesterherz,
)
vielleicht lernst Du bei der Gelegenheit ja wie man trommelt und erzählst dann mit Axel`s Trommel eine überliefertes Märchen aus Kampala? Ich freue mich jetzt schon drauf
Das nächste Mal lasse ich nicht so lange auf mich warten! Halt die Ohren steif,
Tanja
Hallo Schwägerin,
nun hab ich endlich den Link für Deine Seite gefunden, nachdem das hier nicht zu „googlen“ war. Wollte Dir nur sagen, dass entweder der Gewitterzähler nicht stimmen kann oder die Angaben in der tv14 (durchschnittlich 250 x Jahr) schlichtweg gesponnen sind (was mich nicht wundern würde).
Mach weiter so. Liest sich gut was Du schreibst.
Viele Grüße, Dein Schwager.