Offside!!! (Abseits!)
Während Kiet und Lisa gestern nach Jinja gefahren sind, um sich mit Wildwasser-Rafting (das heißt Schlauchbootfahren) die Zeit zu vertreiben, gingen Daniel und ich einer unserer Geldböse angepassten Freizeitbeschäftigung nach:
Wir schauten uns die Afrikanische Champions League im Ugandischen Nationalstation an, das eigentlich Nelson Mandela Station, oder kurz Nambole heißt. Es liegt, meinem Orientierungsvermögen nach zu Urteilen im Mitteleren Südosten Kampalas und es ist schwer als schüchterner Europäer mit dem Matatu hinzukommen, weil einfach alle Ugander vor einem selbst das Matatu restlos gefüllt haben, während man noch naiv darauf wartet, vorgelassen zu werden, weil man doch offensichtlich fremd ist. Also nahmen Daniel und ich uns das erste Mal ein Bodaboda. Eigentlich war es ziemlich prima, denn der Fahrtwind trocknet mal ordentlich die durchgeschwitzten Klamotten und fahrend gefällt mir Uganda ja sowieso am besten, weil man so viele coole Szenen und Bilder vorbei fliegen sieht. Allerdings musste ich schon ganz schön die Augen zusammenkneifen, um mit dem Fahrwind zurechtzukommen. Ich wollte auch gar nicht erst daran denken, wieviel der Bodafahrer selbst, der ja auch keinen Helm oder Brille trägt, von der Welt und dem Verkehr vor seinem Lenker wahrnehmen konnte. Da wir zu dritt auf dem Bodaboda saßen heulte es an den Steigungen immer mächtig auf und wurde seeehr langsam. Aber insgesamt war es immer noch schneller als die Matatus, die uns vorher stehen gelassen hatten. Am letzten Berg zum Stadion hinauf dachte ich allerdings wirklich kurz daran, dass sich das liebe Gefährt plötzlich unter uns auflösen könnte. Wärnäää meine Brämseee…
Als wir angekommen waren, gaben wir dem Mann noch fix seine 3000Shilling (vorher wollte er nur 2500 haben, aber was soll’s). Die Stimmung war schon ganz nett. Auf dem Stadionhügel weht ein wirklich erholsamer Wind und alle Leute hatten Lust das Spiel zu sehen.
Übrigens dürfen Frauen und Kinder umsonst in die Champions League- ziemlich cool, hm? Ich glaube nicht, dass das bei uns so ist
. Daniel musste sich erstmal ein Ticket kaufen. Während man mich einfach durch das große Tor den Weg zum Sicherheitsdetektor passieren ließ, wurde ich mal wieder nervös…auf einem großen Schild stand, dass man keine Flaschen etc. mit in das Stadion nehmen darf und ich hatte eine ganze neue Flasche mit, die ich nicht umsonst bezahlt haben wollte. Ich hätte Gedacht, dass es solche Sicherheitsmaßnahmen in Uganda gar nicht gibt…
Gibt’s auch nicht. Alle Leute liefen durch den Sicherheitsdetektor, wo die Sicherheitsleute sich das obligatorische Fipen anhörten, das für sie offenbar keine Bedeutung hatte. Klar. Wie komm ich nur auf die Idee, dass die mir hier die Wasserflasche abnehmen?!
Also auf zum Spiel. Nachdem wir die Stadiontreppen erklommen hatten fragte ich erstmal die Soldaten die da saßen, ob ich im Stadion fotografieren dürfte. Einleuchtender Weise sagten diese mir, dass das nicht ihre Sache sei und ich sollte die Stadionpolizei fragen. Was ich dann auch tat. Ich verstand nicht ganz, was der Polizist genau sagen wollte, aber ich nahm mal an, dass ich fotografieren durfte. Schön.
Es war etwa eine halbe Stunde vor dem Anpfiff und beide Mannschaften waren schon für Aufwärmübungen auf dem Feld. Links sahen wir in blau und gelb die Spieler von URA, das heißt…oh man vergessen…ach ja Uganda Reveue Agency, also Oberste Steuerbehörde (wie Daniel mir steckte), denn die finanziert dieses Team- genial oder?
Dieses Team ist also der Meister in Uganda, wenn ich das Prinzip der Champions League richtig verstanden habe. Rechter Hand sahen wir in weiß- grün also den Meister Sambias.
Das Interessanteste in dem Moment war allerdings die Militärkapelle, die bedächtigen Schrittes Marschmusik spielend ihre Runden auf der Aschenbahn drehte.
Weiteres Highlight der Fanclub der ugandischen Mannschaft. Auf diesem Bild sieht man auch wundervoll die Ugandische Flagge, die man wie ich glaube nicht fotografieren darf.
Hier nochmal ein Blick von weiter oben auf das Stadion…Blau= Uganda
.
Dann endlich folgte der richtige Einlauf (heißt das wirklich so? Haha) der Spieler mit allem drum und dran.
..und Anstoß!
Das Spiel fing ganz lustig an. Die Ugander waren fast ständig in der Hälfte der Sambier, vergeigten aber alle Torchancen (und es waren viele) ganz sensationell, meistens, in dem sie in hohem Bogen über das Tor schossen. Die Sambier spielten ziemlich ruhig und auf mich als Leihen wirkten sie nicht sehr überlegen: Aber Daniel überzeugte mich, dass sie eben viel überlegter spielten, was sich dann auch bewies, als die Sambier das 1:0 schossen. Beinahe sofort war alle Luft aus den Ugandern gewichen. Trotz der engagierten Unterstützung der ugandischen Fans um uns herum ( Ich fragte mich, woher plötzlich die ganzen Frauen her kämen, bis ich merke, dass es die Männer waren, die ganz hoch aiaiai! Schrieben und die Geräusche machten, die Kinder machen, wenn sie Indianer spielen.) spielten die URA-Jungs immer chaotischer, was die Sambier quasi zum 2:0 in der zweiten Halbzeit zwang. Was die Fans allerdings nicht davon abhielt sich ausgiebig über die Spielweise der Sambier lustig zu machen.
Hier mal eine Spielszene, noch ganz vom Anfang
Was ich allerdings richtig uhrig im wahrsten Sinne des Wortes fand, war die große Stadion-Anzeige, mit offenbar nicht funktionierender Uhr und Anzeige, die der schöne Satz „Made in China“ prägte.
Zur Halbzeitpause traten sechs Mädels auf, die ein bisschen mir ihren Popos wackelten und playback die neuesten ugandischen Hits sangen, wobei auch hier wiederum das Highlight war, dass die Militärkapelle zu jenen Rhythmen erneut ihren Marsch auf der Aschenbahn begonnen hatte- bewunderswert.
Nachdem das 2:0 gefallen war verließen erstaunlich viele Ugander das Stadion. Wahrscheinlich wollten sie sich den Untergang nicht mehr länger antun. Auch der Mann, der Chapati, also eine Art Eierkuchen nur aus Mehl und Wasser als Snacks verkaufte und der als er an uns vorbei kam irgendwas mit Chapati und Mzungu rief, sodass das ganze Stadion gröhlte, konnte die Leute nicht mehr vom Gehen abhalten. Minuten vor dem Abpfiff ging dann eine richtige Odyssee los, denn die Leute wollten wohl nicht gern in dem Stau stehen, den wir dann später genießen konnte, weil wir uns das Spiel bis zur letzten Minute ansehen wollten und dann nochmal die Badezimmer (wie man das hier politisch korrekt sagt) suchen mussten. Wenn man nach Restrooms fragt, verstehen die Leute hier immer Restaurant…
Die Toiletten vom Nationalstation, das übrigens erst 1999 vom jetzigen Prasident Yoweri Kaguta Museveni (der in der Zeitung immer mit M7- Mseven abgekürzt wird) eröffnet wurde, sind die besten die ich bis jetzt in Uganda getroffen habe. Wie wäre es eigentlich, wenn man bei uns Merkel immer als M mit dem Bild eines Ferkels + F abkürzt?!
Abends haben wir dann noch einmal Fußball geschaut, diesmal am Fernseher in einer Bar, wo wir zu Abend aßen. Es lief Manchester United gegen Arsenal London (wo Jens Lehmann Torwart ist). Die Afrikaner sind unheimliche Fans des englischen Fußballs. Dementsprechend war die Stimmung in der Bar noch toller als im Stadion am Nachmittag. Die Frauen schrien, als würden sie gleich in Ohnmacht fallen, immer wenn MAN-U ein Tor schoss. Und gestern spielten sie 4:0. Die Männer klatschen und schrien ihr Aiaiai! Und fingen am Ende ein bisschen an zu tanzen (machen unsere Männer das auch, wenn sie Fußball schauen?). Immer wenn der Trainer von Arsenal zu sehen war winken sie ihm zu und buhten. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstanden habe, aber ich glaube einmal hat einer ihm „Nenda kufa!“ entgegen gerufen, was „Geh sterben!“ heißen würde. Alles in allem gar nicht so anders als bei uns, oder?
Ich hoffe bei euch läuft alles prima. Ulli- ich freu mich schon drauf, von dir auf vegetarische Rindsrouladen eingeladen zu werden, wenn ich wiederkomme! Klingt ja toll, wirst eine richtige Mami jetzt, was?!
Ich freue mich schon auf zu Hause und bin megagespannt auf die Uni (und hab Schiss, wie immer).
Eure Sinebiene

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