Willkommen bei den Nilisten.

 

Am Wochenende haben wir uns mal aufgemacht, um die Nilquellen zu besuchen. Wir fuhren furchtbar bequem mit einem Freund von Yvonne, einem Ugander, der hier Travel Agend ist, also selbst Touren für Touristen organisiert und zufällig nach Jinja, wo die Nilquellen zu finden sind, wollte. Dank der abgedunkelten Scheiben konnte ich ganz entspannt fotographieren.

Ich sitze nun hier mit vieeeelen Fotos und muss die besten für euch raussuchen. Das ist gar nicht so einfach.

Mir hat ja schon die Fahrt vom Flughafen hierher damals riesigen Spaß gemacht, deswegen hab ich mich auf diese Fahrt auch richtig gefreut und hatte kurz nachdem wir aus der Stadt waren meine Batterien leerfotografiert. Aber Daniel der Schatz hatte natürlich an alles gedacht uns passenden Ersatz dabei.

Kampala Road

Zuerst habe ich mal die „Hauptstraße“ Kampalas, die Kampala Road, für euch eingefangen. Ich hoffe nun wird euch die Dimension der Matatu-Massen bewusst. Wie im Hintergrund sieht man in Kampala sehr oft Gebäude, die offenbar halb fertig stehen gelassen wurden und so noch von dem typischen Gerüst aus Holzstangen umgeben sind. Bei dem Haus auf dem Foto ärgert es mich immer besonders, weil es eigentich fertig aussieht, so als müsste noch die Blau-Weiße Folie von der glänzenden Verkleidung gezogen werden und das Haus würde richtig schick aussehen. Aber anscheinend findet sich niemand, der dafür verantwortlich ist, oder auf halbem Weg sind die Mittel um die Folienabzieharbeiter auszuzahlen ausgegangen. Was weiß ich…

Tankstelle Kampala Road

Tankstellen gibt es in Kampala bannig viele. Die verkaufen Diesel und „Kerosene“. Ich hab aber keine Ahnung, ob das die Übersetzung für Benzin ist, oder ob hier tatsächlich Fahrzeuge Kerosin tanken. Tanken tut man in Uganda nicht selbst, dafür gibt es hier noch richtige Tankwarte, denen man das Geld in die Hand drückt. Ab und zu muss der Taxifahrer schon während der Fahrt das Geld von den Fahrgästen einsammeln, damit er mal eben Tanken kann. Auch Bodabodas treiben sich gerne in der nähe von Tankstellen herum.

Skyline Kampala

Hier noch mal ein schöner Blick auf Kampala. Ich glaube das rotbraune Gebäude ist ein Hotel, dass von einem Asiaten betrieben wird und unwahrscheinlich toll und teuer ist. Ich finde solche Fotos von Kampala immer ein bisschen komisch, weil sie gar nicht so aussehen, wie Kampala sich anfühlt. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass es hier sehr unterschiedliche Ecken gibt. Lebt man nur ein paar Tage in diesem Hotel fühlt sich Kampala wahrscheinlich genauso ‘europäisch’ an, wie es auf diesem Foto wirkt. Dass die Übersicht-Fotos immer so milchig aussiehen liegt, denke ich, am Smog. Oder auch daran, dass hier jetzt soviel Wasser verdunstet.

 

Nationalstadion

Auf dem Weg von Kampala nach Jinja kommt man am ugandischen Nationalstation vorbei, das ich leider nicht sehr gut fotografieren konnte, denn außerhalb der Stadt fließt der Verkehr ganz gut. Aber vielleicht vermittelt es wenigstens einen Eindruck. Rund um das Nationalstation liefen relativ viele Leute herum und Kinder spielten ein bisschen Fußball. Es scheint nicht besonders geschützt zu sein, jedenfalls nicht, wenn gerade nichts stattfindet.

Ziegelproduktion

 

Dieses Bild haben wir auf dem Weg nach Jinja (das sind 2-3Stunden fahrt) sehr häufig gesehen. Ich glaube hier werden Lehmziegel produziert, denn unter dem Heu waren diese übereinander gestapelt und häufig stand- was man auf diesem Bild nicht sieht- ein selbst gemauertes Häuschen am Rand, das spitz nach oben hin zulief und Rußgeschwärzt war, sodass dort höchstwahrscheinlich die Ziegel gebrannt werden.

Buntes Haus

Was ich richtig schön finde in Uganda und Kampala ist, dass sehr viele Häuser so wie dieses hier mit Werbung bemalt sind. Das macht die ganze Umgebung sehr bunt und freundlich. Ich müsst euch mal vorstellen, wie cool das aussieht, wenn eine ganze Straße lang die Häuser so bemalt sind (Beispielsweise ist das nebenan dann Rot, für Coca Cola (sieht man sehr sehr häufig) und das übernächste Gelb für MTN, das Ostafrikanische Handynetz und das nächste wiederum ist Dunkelblau mit Bunten Flecken drauf für Omo, das Waschmittel, das ich hier auch benutze und welches den Werbeslogan „Flecken sind gut“ benutzt) einfach herrlich. Dazu dann noch die ganzen Wahren, die vor den Häusern ausliegen und die ganzen Kinder und Menschen, die dazwischen durch die Gegend springen- und fertig ist das ugandische Chaos, das doch ganz charmant ist, hat man sich ersteinmal daran gewöhnt (Ich glaube ich hab es jetzt nach zwei Wochen endlich geschafft!)

 

Es finden sich natürlich auch öfter mal nicht so schicke Gebäude. Aber die sind natürlich wie gemacht für den Vouyerismusbedürftigen Europäer.

Kleines Haus

Da fällt mir noch ein, ich wollte noch erzählen, wie toll die Häuser hier gemauert werden. Ich glaube da brauche ich gar nicht mehr viel sagen, wenn ich mal schnell ein Foto von dem Fenster mache, das jetzt in die Baustellen-Wand vor meinem Fenster gemauert wurde:

Mauern

So hat das bestimmt auch ausgesehen, wenn es in der DDR Versorgungsengpässe gab. :) Da ist’s schon besser, wenn man das ganze noch schick anmalt von außen. Das dämpft das Misstrauen gegenüber der Standfestigkeit des Gebäudes doch auf eine sehr subtile Art.

Die Farben, die Uganda prägen sind das zeigelrot der Erde und das Grün der Pflanzen. In Kampala selbst ist es ja auch schon sehr grün, aber außerhalb der Stadt sieht es eigentlich durchgängig so aus:

 

Landschaft

Und meinen ersten Regenwald habe ich natürlich auch gesehen. Es war nur ein kleines Stück am Straßenrand inklusive erneutem Beweis, dass die Afrika in Leute nicht im Lendenschurz rumlaufen und ihre Güter auf den Köpfen transportieren. (Letzteres sieht man hier natürlich. Aber doch relativ selten.)

 

Regenwald Road

 

Im Video sieht man dann auch, wofür der Wald weichen musste: Endlose Zuckerrohrfelder.

 

 

So. Nach diesen vielen Nebensächlichkeiten will ich aber nun endlich zur Sache kommen. Mein erster Blick auf den Nil. Waaahnsinn.

 

Nil1

 

Na? Wer von euch hätte den Nil so gemalt, ohne vorher das Bild zu sehen?! Tja, hier in Afrika müssen auch die letzten Illusionen (Autos mit Allradantrieb) fahren. Übrigens fahren wir hier grade über einen Staudamm, der errichtet wurde, um Energie aus der Wasserkraft zu gewinnen. Das nette daran ist, dass unweit vom Staudamm eine Brauerei steht (wahrscheinlich für das NILE-Bier, das ein bisschen wie Jever schmeckt), die soviel Strom zieht, dass es in der Gegend trotzdem öffter mal Stromausfälle gibt. Ein hoch auf die Sauferei.

So. Und jetzt mal schnell ein Afrikabild, das eure Erwartungen erfüllt und das ich selbst ganz gerne mag, auch wenn man sieht, dass es aus dem Auto geschossen wurde.

 

Frau zu Fuß

 

Da fühlt man sich doch gleich wieder zu Hause in seinem alten Weltbild, hm? Wie beruhigend. :)

Und jetz wieder zu Sache.

 

Nil2

 

Zu den Quellen selbst muss man mit dem Boot fahren, denn die Quellen liegen unter Wasser (wie öde). Also rein in den Kahn und auf geht’s. Hier sieht das Nilufer auch noch ein bisschen so aus, wie man es sich erwartet hatte:

 

Nil3

 

Fischer, Palmen. Alles im Lot. Nur das Motorengeräusch vom Boot nervt noch. Also für die besonders nostalgischen: Oropax einstecken. ;)

 

Nil4

 

An dem Punkt, an dem wir das stehen (Godfrey, der Travel Agend, Yvonne, Ich und Daniel) hat Speke, dessen Vornamen mir gerade entfallen ist, und der die Suche nach den Nilquellen gewonnen hat gestanden, als er sie das erste mal gesehen hat. Übrigens. Hier mal für alle, die es denken und bei Prof. Jones in den Afrikanistikveranstaltungen kein müdes Lächeln ernten wollen: Livingston und Stanley haben die Nilquellen nicht gesucht, die waren nur da um Menschenfutter für Missionare zu suchen. Speke ist also unser Mann. Speke lebe hoch. Das meine ich ehrlich, denn der Typ muss schon mächtig was drauf gehabt haben, wenn er die Quelle entdeckt hat. Ich hätte sie nämlich nicht gesehen.

 

 

Der Film zeigt zuerst einen Zipfel des Victoriasees. Der Nil entspringt dann Quasi im Vitcoriasee. Ihr seht eine Weile die Strömung, die da um die Ecke flitzt und ganz am Ende- da muss man ganz genau hinschauen- ein paar Wasserkreise links von der Stömung. An diesen Stellen steigt der Nil von seiner unterirdischen Quelle auf, mischt sich mit den Wassern des Victoriasees und beginnt seine Reise zum Mittelmeer, die in etwa 90 Tage dauert.

 

Einschub: Ihr glaubt es kaum, aber hier im Studentenwohnheim hört gerade jemand alte Backstreetboys-Alben. Ich glaube ich bin hier langsam wirklich zu Hause.

 

Nachdem ich nun alle Fotos, die mich beim wie für mich typischen grazilen Ersteigen des Aussichtspunktes zeigen überspringe…ach na gut, das hier geht:

 

Nil5

 

…nochmal einwenig Bildung. Hier an den Nilquellen steht ein Denkmal für Ghandi, da seine Überreste 1948 in die Wasser des Nils geschüttet wurden. Wie prosaisch.

Und damit ihr wisst, dass ich euch keinen Quatsch erzähle:

 

Nil6

 

Komisch ist allerdings, dass diese Tafel von Bell Lager (Das Bier von dem ich ein Foto gemacht hatte) präsentiert wird und ich von dem NILE-Bier, das schließlich so heißt, wie der Fluss, aber man kann ja nicht alles auf einmal haben.

 

 

 

~ von Sine am 14 Februar, 2008.

2 Antworten to “Willkommen bei den Nilisten.”

  1. Die nehmen aber für das Bier kein aufbereitetes Nilwasser oder?Also ich weiß nicht ob ich einen toten Ghandi mitsaufen will… :D

  2. Die Nilquellen sind doch in Ruanda und Burundi, nachher fließt der dort seine Qellflüsse habende Akagera erst in den Viktoriasee und wieder raus….

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