Warum haben Ugander eine platte Stirn und Segelohren?

 

Weil sie immer am Nil stehen und fragen:

„Was rauscht denn da, was rauscht denn da???“

-„Ach!!!, die Bujagali Falls!“

     

    Könnte man jedenfalls meinen. Nach unserem Nilquellenausflug haben wir den Besuch der Bujagali Falls noch direkt mit drangehängt, was wahrscheinlich auch der kosmischen Ordnung der Götter des Tourismus entspricht.

    Auf dem Weg dorthin wurde es immer ländlicher. Die Straßen waren nicht mehr geteert sondern ungefähr im gleichen zustand wie der Weg nach Gatschow runter. Insgesamt änderte sich meinem Empfinden nach das Verhältnis von Ziegelrot zu Grün zu Ungunsten des letzteren. Ähm. Ok. Für die Kinder: Es war nicht mehr so grün, wie vorher. Denn hier gab es zwischen den kleinen Häusern (die aber immer noch aus Steinen gemauert waren und keine Strohhütten) zusätzlich noch kleine Felder, auf dem die Menschen ihr Essen anbauen. Allgemein wächst ja sowieso weniger Grün dort, wo häufig Menschen entlangstampfen. Am Straßenrand standen hier viele Ziegen herum, die zum Fressen angepflockt waren. Dort liefen auch viele Kinder, aber ich habe keine Ahnung, was sie da zu suchen hatten. Irgendwie sah es aus, als kämen sie von der Schule. Vielleicht ist hier auch Samstags Schule. Schließlich muss ich auch Samstags zur Uni.

    Schulweg

     

    Ab und an fanden sich entlang der Straße auch kleine Läden, in denen man Souvenirs kaufen konnte. Ihr glaubt es nicht, aber man kann hier tatsächlich T-shirts kaufen, auf denen Dick und breit „Mzungu“ steht. Der Europäer, der das kauft gehört nun wirklich getreten und angespukt. Ich jedenfalls möchte dieses Unart nicht unterstützen. Ich finde nämlich, dass dieses Mzungu-Gerufe eine ganz spezielle Distanz zwischen Europäern und Afrikanern aufbaut. Furchtbar. Naja. Vielleicht ist das auch nur bei mir so und andere Europäer werden gerne in einen Brei mit allen anderen Weißen gesteckt.

    Die Bujagali Falls sind Wasserfälle im Nilverlauf. Sie stürzen zwar nicht senkrecht von oben herab, sondern sind eher waagerecht angelegt, aber nicht weniger beeindruckend. So hatten wir uns die Nilquellen vorgestellt. (Aber das passiert wahrscheinlich auch nur Nicht-Geologen.)

    Hier sehr ihr mal einen Teil der Wasserfälle, sie strecken sich noch ein ganzes Stück weiter nach rechts und links aus, als in dem Film zu sehen ist.

     

    Und ratet mal, wenn ich dort getroffen habe? NA?!

    Den hier:

    Mr. Grille

    Außer Mr. Grille finden sich an den Bujagali Falls noch einige junge Männer aus den umliegenden Dörfern, die zunächst einmal damit ihr Geld verdienen, dass sie den ‘Touristen zeigen, wie sie sich in kleinen Plastikbooten wagemutig in die Fluten stürzen. Wenn die Touristen aber keine Lust haben, dies zu sehen waschen sie auch gerne mal ein Auto oder machen sonstige Kleinigkeiten, die uns wahrscheinlich wieder einmal gar nicht einfallen würden.

    Wir für unseren Teil haben uns dort erst einmal auf die Wiese gelegt und das Rauschen, die Musik, die dort lief und die Sonne genossen, was wirklich erholsam war. Das Rauschen klingt wirklich ein bisschen wie die Ostsee. Na klar. Ist ja auch Wasser.

    Natürlich ist die Welt auch hier nicht ganz in Ordnung.
    Müll

    Ich glaube in Uganda im Allgemeinen (aber ganz sicher kann ich das natürlich nicht sagen) gibt es ein Problem mit dem Müll. Des liegt auch hier in unserem Stadtviertel einfach auf den Straßen. Die Familie unter meinem Fenster hat einen ganz ordentlichen Müllhaufen auf dem Hof. Und wenn man durch die Stadt läuft muss man auch immer wieder über kleinere oder größere Haufen springen.

    In der Stadt gibt es 500 öffentliche Mülleimer. Das weiß ich, weil auf jedem dieser vielzuwenigen Mülleimer der zuständige Minister abgebildet ist und sich damit rühmt, dass wie versprochen nun die ersten 500 Mülleimer in Kampala stehen. Ich weiß nicht, wann sie aufgestellt wurden, aber es sieht so aus, als wäre das schon eine Weile her. Die zweite Runde lässt als auf sich warten. Außerdem stehen diese Mülleimer nur im Stadtzentrum, wo es für die Touristen sauber sein muss.

    Ich bin mir aber auch nicht ganz sicher, ob Mülleimer außerhalb des Zentrums genutzt würden. Wir alle wissen ja, wie schwer es ist, sich alltägliche Gewohnheiten abzugewöhnen. Und so richtig stört es wohl auch niemanden, solange die Haufen klein genug sind, als dass man darüber springen kann.

    So… nach dieser kleinen Moralansprache gönne ich euch nochmal einen abschließenden Blick auf das Niltal…

    Niltal

    und auf ein weiteres Beispiel für typische Transportmittel Afrikas:

    Radtransport

    Das auf dem Fahrrad sind übrigens nicht etwa unreife Bananen, sondern Kochbananen. Diese werden auf verschiedene Weise zubereitet. Mir schmecken sie am besten als „Katogo“, das typsche afrikanische Frühstück: gedämpft mit Sauce und Gemüse. (Das wäre bei uns ein gutes Mittagessen). Kochbananen schmecken eigentlich wie Kartoffeln, haben aber einen leicht säuerlichen Vorgeschmack, der allerdings sehr lecker ist.

    So. Das war erstmal mein Wochenende. Es gibt jetzt eher immer weniger zu schreiben, weil ich ja schon recht viel über die Stadt geschrieben habe. Wundert euch also nicht, wenn ich jetzt etwas seltener neue Sachen schreibe. Ich denke schon, dass dieses Land noch vieles bereithält, sodass es über kurz oder lang schon Nachschub geben wird.

    Seid gedrückt!

    ~ von Sine am 14 Februar, 2008.

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