Alles auf Anfang
Zuerst einmal muss gesagt werden, dass jeder sich mal einen Flug mit Emirates goennen sollte, denn sonst verpasst man viel. Man kann ueber den im Vordersitz eingelassenen Monitor nicht nur beobachten, was vor und unter dem Flieger passiert und ein paar schoene Filme gucken, sondern auch frei aus 50 Computerspielen waehlen, von denen man einige gegen seinen Sitznachbarn oder irgendwen anders im Flieger spielen kann. Das klingt vielleicht kindisch, kann auf einem 14-stunden-Flug aber entscheidend zum Erhalt einer ertraglichen Laune beitragen, vor allem, wenn man einen geliebten Menschen zuruecklassen musste (Dramatik-modus off). Bei Emirates kriegt man sooft frische Tuecher gereicht, dass man nach dem Flug sauberer ist als vorher. Auf unserem Flug waren es sechs. Klingt auf einmal gar nicht soviel, aber die Dinger sind eben heiss und sowas brennt sich ein…
Meine Meinung ueber das Essen ist zwiegespalten. Als Vegetarier bekommt man grundsaetzlich das gleiche wie die Ovo-Lakto-Vegetarier und das ist nicht viel- ade Schokomuffin und Kaesebroetchen- das landete alles auf Daniels Teller.
Von Dubai haben wir erwartungsgemaess wenig gesehen, weil wir ja im Flughafen gefangen waren. Auf dem Flughafen lagen Leute aller Nationen in allen Ecken und wartetenauf ihren Abflug, waehrend vom Band Arabischer Gesang lief.. Dass man in Dubai war merkte man eigentlich zuerst daran, dass die Flughafenuhren alle von Rolex stammten.
Als wir von Dubai abflogen war es hell, was sehr verwirrend ist, wenn sich der Koerper nach 4uhr morgens fuehlt. In Dubai war das erste mal Sommer- 23grad nur, weil es noch so frueh war- schoen angenehm. Schliesslich ging es weiter und ich erfuhr, dass wir in Addis Abeba zwischenlanden wuerden und zwar wieder einmal in ganz vielen Sprachen, wobei die deutsche Stewardess Kiswahili mit „Afrikanisch“ uebersetzte- ganz grosse Leistung, aber das weiss ja eh kein Deutscher…
Aethiopien von oben ist wirklich faszinierend. Der gesamteindruck wirkt erst einmal wie eine beige, zerbroeckelte Oede, aber wenn man tiefer fliegt, erkennt man viele unterteilte Felder, von denen einige tiefschwarz waren – was darauf wohl waechst? Auserdem gibt es kleine „Waldstuecke“. Die Berge sind wirklich eindrucksvoll (fuer einen Mecklenburger zumindest). In Addis standen das erste Mal Ziegen direkt neben der Landebahn und auf dem Flughafen standen Flugzeug- und Panzerwracks.
Als wir in Entebbe (Ankunftflughafen in Uganda) ankamen, dachte ich, der Pilot haette sich verflogen. Im Prinzip sieht es in Uganda naemlich auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick aus wie in Meck-Pomm im Sommer – nur dass statt Kastanien Palmen am Strassenrand stehen…
Neben der Landebahn waren einige Weiden, auf denen Kuehe grasten und der Victoriaseezipfel, den man sehen konnte war durchaus mit unserem Kumerower See vergleichbar.
Was mir zuerst auffiel und auch jetzt noch am auffaelligsten ist, ist die rote Erde. Hier in Uganda, oder zumindest in Entebbe und Kampala ist der Boden so rot als haette ein Bollog ein gewaltiges Backsteingebaeude unter seiner Gewicht zermalmt. Ich muss bald mal jemanden fragen, woher die Farbe stammt- Karsten, hast du eine Idee?
Als wir aus dem Flugzeug kamen war es so warm wie jetzt- also nicht sehr heiss, sondern eher angenehm. Man braucht keinen Sonnenhut und cremen frueh morgens reicht um genauso bleich yu bleiben wie immer…
Ich dachte, es wuerde mit jetzt schon auffallen, dass sich das Verhaeltnis von weissen und schwarzen geaendert hat, aber das war gar nicht so. Mit seiner Hautfarbe kommt man sich eigentlich nicht einsam vor, nur weil die Mengenverhaeltnisse sich aendern, sondern erst, wenn man staendig auf seine Hautfarbe reduziert wird, wie hier in Kampala, wo man immer nur als „Weisser“ gerufen wird. Das ist schon recht anstrengend. Irgendwann finde ich das Wort fuer „schwarzer“ raus und rufe zurueck.
Wir mussten fuer das Visum 50$ bezahlen, obwhl es eigentlich nur 30$ kosten sollte fuer Studenten, aber die Frau am Schalter meinte, sowas gaebe es nicht- hoffentlich macht sie mit unseren schoenen 40$ wenigstens etwas vernuenftiges.
Als wir aus dem Flughafen traten, hatten wir gleich eine Traube Menschen an unserer Seite, deren Funktion ich nicht richtig einordnen konnte. Dann verstand ich, dass das alles Taxifahrer waren, die uns nateurlich in ihr Auto verfrachten und unser Geld abgreifen wollten. Daniel wollte erst noch genuesslich eine rauchen, um sie ein bisschen zu quaelen, aber einer der Fahrer meinte, Rauchen sei nicht erlaubt (kluger Trick) und so fuhren wir einfach gleich mit ihm fuer 30$ nach Kampala. Diese Fahrt war schoen und gefaerlich…fast ein Klischee fuer Afrika nicht wahr?
Im warmen Fahrtwind sah ich Bilder vorbeifliegen, wie man sie vielleicht us der GEO kennt- Kinder, die am Strassenrand laufen und mit alten Reifen spielen, Menschen, die ihr Fahrrad schieben, dass gut 1,50Meter hoch mit Wasserkanistern, Bananen oder sonstigem beladen ist, Ziegen und Huehner im Strassengraben, Ochsen die im Muell butteln, ein paar einfache kleine Haeuser, die sich selbst „Primarz School“ also Grundschule, meistens mit einem kirchlichen Namen als zusatz, nannten. Auch viele bunte Geschaefte mit Frauen in bunten Kleidern davor.
Der Fahrer fuhr moerderisch- hier die normale Art zu fahren. Waehrend ich noch dabei war mich n den Linksverkehr zu gewoehnen ueberholte der Mann in einer Kurve vor dem Berg zwei Auto, die auf unserer Einspurigen Strasse sowieso schon nebeneinander fuhren – und ich dachte, dass dieser Afrikaaufenthalt wohl enttaeuschent kurz werden wuerde und warum ich nicht gleich Frau Nienkargen gebeten hatte, die Roentgenaufnahmen meiner Kiefer bereitzuhalten.
Sobald wir in die Stadt kamen, kamn wir nicht mehr weiter. Gott sei Dank besteht der Stadtverkehr weitest gehend aus Stau, sodass niemand ernsthaft verletzt werden kann. In der Millionenstadt Kampala gibt es drei Ampeln- unsere hier war gestern schonwieder defekt. Es gibt auch keine Verkehrsschilder. Hier wird nach der Da-komm-ich-locker-durch-Norm gefahren. Gut, dass ich das Geld fuer den internationalen Fuehrerschein stecken lassen habe.
Wir fuhren also mit unserem Tacifahrer- der am Strassenrand nachfragte, wo er langmuesse- zu unserem Hostel. Irgendwann fuhren wir gar nicht mehr, wir huepften eigentlich nur noch, da die letzten beiden Strassen bergab zum Hostel sich anfuehlten, wie unsere Dorfstrasse in Buschmuehl- obwohl sie asphaltiert waren (was man unter dem roten Sand aber nur erahnen kann)!
Das Hostel machte einen guten Eindruck, es hat einen betonierten Hof mit Rabatten und einem schweren Eistentor und man kommt nur rein, wenn man am Typ-am-tor vorbeikommt.
Nach kurzem Hin-und-her bekamen wir unsere Zimmer und ich musste natuerlich gleich beim ersten sagen, dass ich es haben will- verhaengnisvoll, wie sich spaeter herausstellen sollte.
Mein Zimmer ist im 4. Stock, Daniels im 5. Es ist gefliesst, hat in die Wanschniesche eingelassen drei Regalbretter und eine Tischflaeche. Dazu gehoert ein kleines Bad it Waschbecken und einem duschkupf, der aus der Wand luschert. Ich habe eine grosse Fensterfront, die man aufschieben und als Zutritt auf einen Vorbau nutzen kann, den mann gnaedig als Balkon bezeichnen mag. Allerdings schaue ich meist nur einmal morgens und abends aus dem Fenster und lasse die Vorhange sonst geschlossen, sonst wird das Zimmer wahrscheinlich yur Trockensauna.
Mir hat natuerlich Daniels zimmer auf Anhieb besser gefallen (weil einem immer besser gefaellt, was man nicht hat), aber dass das auch berechtigt war, sollte sich erst in der folgenden Nacht herausstellen….

Hallo Gesine,
Du hast aber heute fleißig geschrieben – prima, ein bisschen neidisch bin ich natürlich auch. natürlich verzeihe ich dir, dass du nur einen lieben menschen zurückgelassen hast (Witz!) buddeln schreibt man wahrscheinlich mit 2 d. zu der roten Farbe des Bodens muss ich Karsten befragen. Als ich Bodenkunde hatte, war rot immer Eisenoxid und ein Zeichen für Nässe, was hier sehr unwahrscheinlich ist. Bei dem ganzen Hin und Her und rauf und runter, was die Erde so mitgemacht hat, lässt sich eine Lage in Nässe vor mill Jahren nicht ausschließen. – Spezialist wird gleich befragt, sitz derzeit mit Zeitung total erschöpft im Wohnzimmer. Axel hat eine 4 in Mathe erwischt, nun kann Verena mit dem Fahrrad fahren – keine Panik, nur, wenn wir zusammen eine Tour machen. Bist du endlich deine kleinen Mitbewohner los? Grüß die Schwarzen von mir, sie sollen nicht verzweifeln, jetzt ist Gesine ja da.
Tschüss Mutti – schreib mal, ob mein Geschriebsel ankommt
Hallo Gesine,
ich habe den Text für die Kinder aufbereitet – alle ae durch ä ersetzen usw. Du hast ziemlich oft zuerst geschrieben. hast du eine enl. Tastatur? das mit y und z verwechsln kenne ich gut asus Polen.
Ich habe Verena den Text gedruckt.Verena hat eine 1 im Geigen – hat super geklappt. Heute hatten wir Fußballturnier diesmal haben alle super gespielt, leider trotzdem nicht gewonnen. Axel ist in Glendelin angeln. Die nächsten zwei Wochen sind Winterferien.
Tschüss, alles Liebe Mutti